| Made in Europe |
| BriefLetter - Issue 12/2011 |
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Die EU- Kommission plant Änderungen am Warenursprungsrecht. Der Ursprung einer Ware liegt bislang in jenem Land, in dem die „letzte wesentliche, wirtschaftlich gerechtfertigte Verarbeitung erfolgt“. Dieses Prinzip soll dahingehend geändert werden, dass stattdessen der Wert der aus dem Ausland stammenden Zulieferteile als Maßstab für die Ware gelten soll. Die Länder laufen Sturm, Verbände und Politiker sehen die Wettbewerbsfähigkeit einzelner Branche gefährdet. Insbesondere Deutschland wehrt sich, weil man das „Made in Germany“ als Gütesiegel in Gefahr sieht. Nicht immer kann man in Jubel ausbrechen, wenn sich die EU etwas zur Harmonisierung der Märkte oder zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit europäischer Unternehmen in der globalisierten Welt einfallen lässt. Eine Änderung des Warenursprungsrechts ist, so sehen wir es jedenfalls, für die Konsum-güterindustrie aus vielerlei Gründen jedoch durchaus wünschenswert. Der Wettbewerb „Made in…“ nimmt zu und zwar ganz entscheidend auf der Ebene der Produktqualitäten. War „Made in China“ noch vor zehn oder zwanzig Jahren eher ein Makel, so sehen wir heute, dass Produkte „Made in China“ sehr wohl mit den Spitzenprodukten aus Ländern der westlichen Welt konkurrieren können. Ja, wir sehen, dass beispielsweise viele klassische High-End-Produkte europäischer und amerikanischer Marken ein „Made in China“ Etikett tragen. Ein Verzicht Europas auf ein zeitgemäßes Warenursprungsrecht würde somit den europäischen Markteilnehmern eher Nachteile bescheren als Vorteile bringen. Wie heißt es doch so schön: Konkurrenz belebt das Geschäft. Mit anderen Worten „Made in…“ kann sich durchaus zum Vorteil aller Marktteilnehmer entwickeln. Produzieren sollte man dort, wo die Absatzmärkte liegen. Das ist nicht neu, nur temporär aus der Mode gekommen. Siemens, Bosch und Philips haben bereits vor über 100 Jahre die Produktionsstätten für ihre Märkte in der Welt vor Ort beispielsweise in Indien, Amerika oder Russland gebaut. Die Europäer haben in den vergangenen Jahrzehnten aus Gründen kurzfristiger Kostenvorteile nur allzu schnell ihre heimischen Produktionsstätten geschlossen und die Fertigung in Niedriglohnländer außerhalb Europas verlegt. Die Kostenexplosion in Asien, die Transportkosten, die Schwerfälligkeit in der Bestell- und Fertigungsabwicklung, die Kosten der Qualitätssicherung und viele andere Probleme haben einen Umdenkprozess in Gang gesetzt mit der Konsequenz, dass wieder verstärkt in Europa produziert wird. „Made in Europe“ ist wieder im Kommen. Besonders wichtig erscheint uns eine neue Definition des Begriffs „Made in...“. Einstmals verstand man darunter den Herstellungsprozess, sprich die Produktion bzw. die Fertigung im engeren Sinne. Heute müssen wir dem „Made in ...“ einen erweiterten Sinngehalt geben. „Made in ...“ beginnt und endet nicht am Produktionsfließband. Es umfasst und beinhaltet vielmehr die Idee für ein Produkt, den gesamten Entwicklungsprozess, das Design, die Modellfertigung, die Tests bis hin zur Serienreife und die darauf folgenden Herstellungsprozesse, die Qualitätssicherung und die After-Sales-Serviceleistungen. Nicht die Produktionsstätte im engeren Sinne darf für das „Made in ...“ maßgebend sein, sondern die Heimat all der Werte, die schließlich ein Produkt ausmachen. Ein BMW ist ein „Made in Germany“ Produkt, selbst wenn der Stahl aus Indien, die Elektronik aus China, das Leder für die Innenausstattung aus Spanien und die Reifen aus Frankreich stammen, weil der „Warenursprung“ in der Produktidee steckt. Darauf gilt es Rücksicht zu nehmen, wenn es zu einer Änderung am Warenursprungsrecht kommen sollte. Vielleicht wäre es überhaupt sinnvoll, statt nur Änderungen vorzunehmen, ein ganz neues Recht zu schaffen, in dem das Schöpferische und die Kreativität im Mittelpunkt stehen. Das Fließband der Produktion, der Ort der Rechnungsstellung für ein Produkt und der Zahlungsbestimmungsort der Lizenzgebühren für Markennutzungsrechte sind zwar Teil des Ganzen, aber eben nicht das Entscheidende für die Bestimmung „Made in ….“. |

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