| Schulden und populistisches Sparen, ein Patentrezept? |
| BriefLetter - Issue 07/2010 |
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Der Rat, Schulden zu machen, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Idee, durch Sparen Schulden abbauen zu können, ist mit äußerster Vorsicht zu erteilen. Denn grundsätzlich ist das schon richtig, aber eben nur grundsätzlich. Auch die Überlegung, beide Maßnahmen durch generiertes Wachstum wieder einschränken zu können, muss sehr differenziert betrachtet werden. Sicherlich ist es der Weg eine Katastrophe zu verhindern. Katastrophe heißt in diesem Fall Inflation oder Deflation. Mag sein, dass für viele Ludwig Erhard mit seinem Sachverstand etwas aus der „Mode“ gekommen sein mag, aber in einem Punkt kann man ihm nicht widersprechen, nämlich wenn er sagt, Maßhalten! Maßhalten heißt nicht mehr und nicht weniger als das eigene Handeln am eigenen Leistungsvermögen zu orientieren. Die Erste Welt hat da in den vergangenen Jahrzehnten einiges versäumt, bzw. die Menschen der Ersten Welt haben über ihr Leistungsvermögen hinaus gehandelt, mit anderen Worten über ihre Verhältnisse gelebt. „Buy now, pay later“, dieser aus dem amerikanischen „Werbe-Latein“ entnommene Slogan, hat eine Lebenseinstellung bei vielen Menschen in Zeiten geprägt, in denen man glaubte, Bäume würden schließlich in den Himmel wachsen. Bis es jetzt zum Bruch, dem Ende der fünfzigjährigen Ausnahmezeit, kam. Wie kommen wir aus der Schuldenfalle heraus, wie können wir den Sinn des rechten Sparens wieder entdecken? Wir müssen unser Leistungsvermögen wieder entdecken. Keinen Stein heben, den man nicht tragen kann. Abschied nehmen von unsinnigen Businessplänen, von Strategien, die sich nur in Chart-Präsentationen darstellen, aber nicht umsetzen lassen. Über die Globalisierung nur reden, wenn der Geist frisch und ausgeruht ist, der Politik nur abnehmen, was man von ihr in einer Wahlperiode einfordern kann. Von anderen nicht mehr verlangen, als man selbst einzusetzen bereit ist. Richtig Sparen heißt einen Teil des verdienten Geldes zurücklegen. Wer nur notwendige Ausgaben zusammenstreicht, notwendige Investitionen kürzt, spart nicht. Wir sollten uns in diesem Zusammenhang auch daran erinnern: Wir tragen auch Verantwortung für das, was wir nicht tun. Und wenn Sparmaßnahmen im ersten Moment den Eindruck erwecken erfolgreich zu sein, so sollte man dennoch vorsichtig mit einer übereilten Beurteilung sein. Geld verdienen und damit die Chance zu haben auch sparen zu können, ist nur möglich, wenn man alle Ausgaben auf ihren tatsächlichen Sinn und ihre Notwendigkeit hin beurteilt und Investitionen tätigt, um den Abstand zur Konkurrenz im Markt zu vergrößern. In diesem Zusammenhang legen wir den Schwerpunkt bei der Erarbeitung von Strategien auf die zwei wesentlichen Aspekte: Auf den Sinngehalt von Wahrhaftigkeit und Machbarkeit. |

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