| US-Bürger müssen sparen |
| BriefLetter - Issue 03/2010 |
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Amerikas Weg zurück zu Wohlstand und innerer Freiheit führt nur über einen beschwerlichen Weg mit unübersehbaren Verkehrszeichen, auf denen Konsumverzicht und Sparsamkeit ausgeschildert sind. Amerika ist ein schwerkranker Patient und dies nicht erst seit der Finanzkrise. Im Grunde hat sich das Land der unbegrenzten Möglichkeiten zu einem Land entwickelt, das kaum noch bewegungsfähig ist. Für die globale Konsumgüterindustrie gibt es in den kommenden zehn Jahren in Amerika kaum nennenswerte Geschäftsfelder, auf denen ein Engagement erfolgversprechend zu sein scheint. Wer nicht bereits präsent ist und über einen festen Platz im Markt verfügt, sollte Chancen und Risiken vor einem Markteintritt sorgfältig prüfen. Wie kaum in einem anderen Markt gilt es auf dem amerikanischen Markt darauf zu achten, die eigenen Distributionswege zu kontrollieren und allergrößte Sorgfalt bei der Wahl von Handelspartnern walten zu lassen. Die Einkaufskultur des amerikanischen Groß- und Einzelhandels unterscheidet sich in vielfältiger Weise von der europäischen Art und Weise einzukaufen und obwohl die Handelsspannen in fast allen Branchen unbefriedigend, und die Gewinne „im Keller“ sind, ist nicht damit zu rechnen, dass die Discount-Welle abklingen wird. „Sale“ und „Discount“ werden auch künftig das Marktgeschehen in Amerika beherrschen. Die US-Bürger müssen sparen. Sie werden höhere Steuern abführen und für Dienstleistungen des Staates ungleich mehr bezahlen müssen als bisher. Für das Gesundheitswesen, für Ausbildung und Altersversorgung, werden sie, ähnlich wie wir in Europa, einen erheblichen Teil des Nettoeinkommens aufwenden müssen und Ausgaben haben, die im privaten Haushaltsbudget bislang keine große Rolle spielten. Konsumentenkredite und „Plastikgeld“ werden nur mehr sehr beschränkt verfügbar sein. In zehn Jahren wird Amerika voraussichtlich das Schlimmste überstanden haben, vorausgesetzt, es gelingt Präsident Obama parteiübergreifend den Gesundungsprozess nachhaltig einzuleiten und durchzuhalten. Wer in Amerika aktiv werden will, sollte wohl vorbereitet und mit vorsichtigen Erwartungen starten und wer in Amerika als internationales Unternehmen bereits etabliert ist, sollte, wenn das Thema Wachstum im Vordergrund steht, nur ein qualitatives Wachstum im Auge haben und dafür auch bereit sein, auf Umsatzsprünge zu verzichten. Kann Asien bringen, was in Amerika derzeit nicht zu erwirtschaften ist? Diese Frage wird uns immer wieder gestellt. Wir meinen Nein. In Asien ist Wachstum möglich und man kann sicherlich mit werthaltigen Marken Gewinne erzielen. Der Aufbau nationaler asiatischer Märkte verlangt allerdings enorme Investitionen, insbesondere wenn Unternehmen eigene Absatzstellen für ihre Marken einrichten, sodass man in der heimischen Bilanz kaum mit Zuflüssen aus asiatischer Wertschöpfung rechnen kann. Erfolgreiches globales Marketing sieht die Märkte der Welt so wie sie sind, jeden Markt für sich mit maßgeschneiderten Strategien.
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