Spielt die Hierarchie im Unternehmen eine gefährliche Rolle?
BriefLetter - Issue 08/2010

Hierarchisches Denken und Handeln sind heutzutage Anachronismen, die Unternehmen sehr viel Geld kosten. Wie viele gute Ideen schaffen den Weg noch durch die „Instanzen“? Wie hoch sind die Reibungsverluste, wie viel Motivation wird abgewürgt, wie viel Wertvolles geht verloren, wenn Ideen solange zurecht gebogen werden, bis sie schließlich beim Letztentscheider ankommen?

Unternehmen stecken deswegen heute oft in einem Dilemma. Einerseits wissen wir, dass die „ Wege von gestern “ in der Gegenwart nur noch bedingt zielführend sind, und andererseits klammern wir uns an eine Ordnung, die der Kreativität und einem freiem Denken Schwung und Raum nehmen.

Die Lösung aus diesem Dilemma herauszukommen, schien lange Zeit die „flache Hierarchie“ zu sein.  Bei genauem Hinsehen zeigt sich allerdings, dass der Begriff der "flachen Hierarchie" nicht selten ein reiner Managementtalk ist. Gibt es doch beispielsweise staatliche Entwicklungshilfeorganisationen, die bei vorsichtiger Zählung neun Hierarchiestufen haben, sich aber gerne wegen ihrer vermeintlich "flachen Hierarchie" loben lassen.

Neue Mitarbeiter sind in den ersten Monaten in einer Organisation in aller Regel sehr damit beschäftigt, herauszufinden, wie sie sich zu verhalten haben. Welche geschriebenen und ungeschriebenen Spielregeln sie beachten und einhalten müssen, um im Unternehmen zu bestehen.
In einer Studie des FAZ Instituts und Steria Mummert ist u.a. zu lesen, dass in drei von zehn untersuchten Unternehmen komplexe Hierarchien oftmals die Entscheidungsprozesse hemmen. Oftmals fühlen sich Mitarbeiter für bestimmte Aufgaben nicht zuständig, da die notwendigen Verantwortlichkeiten nicht ausreichend geklärt sind.

Es ist also höchste Zeit, die von gestern stammenden Hierarchien, die in den Unternehmen heute noch herrschen, zu überprüfen. Die Türen für Gespräche zu öffnen und für jeden ansprechbar zu sein, ohne Rücksicht auf das funktional-hierarchische Kästchendenken.
 
Organigramme haben viel mit der Architektur von Plattenbauten zu tun. Das Kästchendenken und das Zuständigkeitsdenken verwandelt Kompetenz sehr leicht in ein zweifelhaftes Machtstreben, das Menschen befällt, sobald sie wahrnehmen, dass sie im Grunde zwischen oben und unten eingekeilt sind.

Um den Herausforderungen von morgen gerecht zu werden, ist es notwendig, darüber nachzudenken, in wie weit die in der Vergangenheit installierten Hierarchien abgeschafft werden müssen, um einer neuen Ordnung Platz zu machen.
 Hierarchien sind gar nicht so einfach zu beseitigen. Nicht selten überdauern sie Generationen.
Hierarchien können Mitarbeiter ausbremsen. Hierarchien verführen sie dazu, sich immer abzusichern. Bloß nichts falschmachen, möglichst kein Risiko ein gehen.

Die Menschen fordern heute zu recht Freiheiten im gesellschaftlichen Zusammenleben. Die Einzigartigkeit, die die Schöpfung dem Menschen mit auf seine Reise durch das Leben gegeben hat, darf man nicht beschneiden. Notwendige Ordnungen in einer Gesellschaft sowie in Unternehmen müssen dem Einzelnen die Möglichkeit geben entsprechend seiner Fähigkeiten und Ambitionen sich zu entwickeln und einzubringen. Die Aufgaben von morgen erfordern eine große Portion Mut, Kreativität, Aufgeschlossenheit und gegenseitiges Vertrauen und Respekt von all denjenigen, die gemeinsam in einem Unternehmen erfolgreich sein wollen. Ein altmodisches Hierarchiedenken ist da eher hinderlich.

Wir brauchen in einem Unternehmen nicht so viele Abteilungsleiter, Hauptabteilungsleiter, Bevollmächtigte, Generalbevollmächtige, Direktoren und Vorstände, nur weil alte Hierarchien sie in Organigrammen vorschreiben. Verantwortungsvolles Handeln in diesem Zusammenhang schafft Freiheiten, die die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen stärkt und zu Überlegenheit führt.

 
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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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