Auch in China wachsen die Bäume nicht in den Himmel
BriefLetter - Issue 07/2006
Die Zeiten, in denen die Produktion von Gütern in China so billig war, wie nirgendwo sonst, wo die Kosten keine Probleme machten, sondern eher Freude bereiteten, neigen sich mit Riesenschritten dem Ende zu.

Mag sein, dass das eine oder andere Produkt noch eine Zeit lang kostengünstiger in China hergestellt werden kann, als beispielsweise in Europa, aber, wie gesagt, auch China kämpft zunehmend mit hohen Rohstoffkosten, mit explodierenden Energiekosten, mit steigenden Lohnkosten und Ausgaben des Staates für Infrastruktur und Umweltschutz. Und langsam kommt auch der Kampf gegen die Produktpiraterie in Gang.

Kleinere asiatische Staaten, wie etwa Vietnam, machen China zunehmend Konkurrenz. Und Indien der große Gegenspieler Chinas bläst auf beinahe allen Gebieten zum Angriff.

Gewiss, so leicht sind die Chinesen nicht zu schlagen. So leicht kann man das chinesische „Wirtschaftswunder“ nicht abbremsen. China ist heute bereits eine wirtschaftliche Großmacht, die sich weltweit in die Produktion von Rohstoffen einkauft, Einfluss in die Politik rohstoffreicher Länder nimmt, mit riesigen Währungsreserven in den Welthandel eingreifen kann und als Anbieter hochwertiger Investitions- und Konsumgüter unmittelbar in die Absatzmärkte eintritt. Und doch müssen wir Europäer nicht allzu ängstlich sein, dass in absehbarer Zeit die Rede von der „gelben Gefahr“ tatsächlich eine existenzielle Gefahr für uns werden könnte.

Es ist der Wandel in China, der die Bäume auch dort nicht in den Himmel wachsen lässt. Ein unruhig werdendes, weil an wirtschaftlichem Einfluss verlierendes Militär verlangt finanzielle Kompensation, die armen und elend hausenden Bauern im Norden Chinas fordern eine gerechtere Verteilung des langsam wachsenden aber natürlich im Vergleich zur westlichen Welt noch bescheidenen Wohlstandes, ein explodierender Staatshaushalt bereitet große Sorgen, dramatisch sinkende Exportwachstumsraten, eine Arbeitslosigkeit, die ja nach Region zwischen 10 und 30% liegt, ein Großteil der Staatsbetriebe sind mehr oder weniger bankrott und last but not least, fürchtet die Partei aufgrund des Aufstieges der neuen reichen Unternehmerklasse und der immer größer werdenden Kluft zwischen arm und reich, um den Bestand der eigenen Macht.

China verliert meiner Meinung nach als wilder Eroberer der Märkte seine Schrecken. China entwickelt sich zunehmend zu einem Konkurrenten, der sich weniger durch Vorteile, die ihn unbezwingbar und unerreichbar überlegen machen, auszeichnet, sondern zu einem der sich, wie jeder andere dem Wettbewerb stellen muss. Auf der ganzen Welt und damit auch in seinem eigenen Markt, was wiederum für uns von Vorteil ist, denn im chinesischem Markt stecken enorme Möglichkeiten, was dem alten Spruch „Konkurrenz belebt das Geschäft“ eine wahrhaftige Aktualität verleiht.

 
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