Es bildet sich eine neue Unternehmensberater-Hochkultur
BriefLetter - Issue 06/2006
Fast alles, was in den vergangenen Jahren für den Erfolg einer Beratungsfirma entscheidend war, verliert an Bedeutung. Ja, es zeichnet sich ziemlich deutlich ab, dass die alte Hochkultur einer neuen weichen muss.

War vor Jahren die Größe einer Beratungsfirma bei der Auftragsvergabe ein wichtiges Kriterium, etwa nach der Formel „ je größer die Firma, desto größer die Chancen“, so zeigen neueste Zahlen des Bundesverbandes deutscher Unternehmensberater, dass die kleinen und mittleren Firmen 2005 das größte Wachstum, nämlich 10 Prozent, vermelden können. Im Vergleich dazu liegt das durchschnittliche Wachstum bei 7.5 Prozent. Die 50 größten Beratungsfirmen der Branche konnten ein Wachstum von nur 6 Prozent vermelden. Weiter berichtet der BDU, dass die Auftraggeber zunehmend Beratungsfirmen mit ausgewiesenen speziellen Kompetenzen den so genannten Fullservice Anbietern vorziehen und als weitere Veränderung ist von einem Comeback der Branchenexpertise und Seniorität die Rede.

Die Entwicklung in der Beraterbranche geht einher mit ebenfalls gewaltigen Veränderungen in der Wirtschaft und zwar sowohl auf nationaler wie auch internationaler Ebene: Die Hochkultur der angestellten Manager weicht der wiederkehrenden Hochkultur der Führung von Unternehmen durch Unternehmer im Sinne des ursprünglichen Unternehmertums, also Führungspersönlichkeiten, die führen und etwas unternehmen anstatt nur zu managen. Pures Management verliert an Einfluss, was übrigens nicht unbedingt etwas mit den Fähigkeiten der Menschen zu tun hat, sondern sehr wahrscheinlich darin begründet liegt, dass die Sichtweise der Manager und ihre Vorgaben immer kurzfristiger Natur sind. Quartalsberichte oder die Laufzeit des eigenen Vertrages mögen dabei auch eine Rolle spielen. Unternehmer denken oftmals langfristig in größeren Zusammenhängen und richten ihr Handeln danach aus. In Familienunternehmen wird auch heute noch vielfach in Generationen gedacht und gerechnet, was sie weltweit erfolgreicher macht, als Unternehmen mit strikter Trennung von „Kapital“ und „Führung“.

Es ist durchaus möglich, dass Manager und Unternehmer Berater aus sehr unterschiedlichen Perspektiven sehen und dann auch entsprechend auswählen und beschäftigen. Insofern kann es in der Tat einen Zusammenhang zwischen den Veränderungen im Beratungsgeschäft und den Führungsstrukturen in der Wirtschaft geben. Auffällig ist, dass es in jüngster Zeit in den Eigentumsverhältnissen und in der Personalpolitik von Beratungsfirmen erhebliche Veränderungen gegeben hat, die denen auf der Auftraggeberseite Rechnung tragen. Das Wort „Management“ in den Firmennamen von Beratungsunternehmen beispielsweise verschwindet immer häufiger.

Ich finde es sehr gut, dass wir Wissen und Erfahrung zusammenführen. In Wissen und Erfahrung spiegeln sich auch die Generationen und somit die Kontinuität wieder ohne die wir die Zukunft nicht meistern können. Es gilt in vielerlei Hinsicht der Grundsatz: Wer weit zurückschauen kann, hat einen festeren Stand, wenn es darum geht, die Zukunft in die Hand zu nehmen.

Wissenschaft und Forschung, der Prozess der Globalisierung, die Entwicklung neuer Regionen in denen sich Wirtschaft und Politik abspielen, die Rasanz, mit der Macht sich breit macht, aber auch häufig schnell wieder auf und davon macht, die Dynamik und Dramatik mit der wir Neues, Ungeahntes erfahren, zwingt zu neuem Denken und Handeln. Unternehmensberater können dazu wichtige Beiträge leisten und so für sich eine neue Hochkultur begründen.

Pro domo betrachtet kann ich sagen, dass SchmidPreissler durch die persönliche Beratung, die Konzentration auf das Wesentliche, eine Langzeitsichtweise, die Zurückhaltung gegenüber allem Vordergründigen, einem Realitätssinn, als Sein im platonischen Sinn und der Wahrhaftigkeit verpflichtet, bewusst getan hat, was sich jetzt als eine neue Hochkultur der Unternehmensberatung entwickelt. Wir haben es vielleicht etwas bescheidener in der Selbstbeschreibung als Avantgarde unter den Strategieberatern ausgedrückt, aber stets danach gehandelt.

Unternehmensberatung muss Unternehmerberatung sein, die sich darauf versteht, Beiträge zur Zukunftsgestaltung in einem ganzheitlichen strategischen Sinne zu liefern.

 
SchmidPreissler SchmidPreissler Strategy Consultants


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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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