Lohnverzicht und Mehrarbeit haben kurz- und mittelfristig Konsumverzicht zur Folge - langfristig allerdings nicht zum Nachteil, sondern zum Vorteil der Menschen und der Wirtschaft!
BriefLetter - Issue 22/2004
Während die Medien in Deutschland beinahe täglich darüber berichten, dass es mit den notwendigen Reformen nicht zügig genug voranginge, vollzieht sich ein Wandel, der in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland einzigartig ist. Seit mehr als fünfzig Jahren sind die deutschen Unternehmen erstmals in der Lage, im Konsens mit den Menschen im Land Arbeitszeiten zu verlängern, Löhne und Gehälter zu kürzen und Sozialleistungen abzubauen. Und dies alles mit dem Einverständnis der Menschen. Eine Untersuchung des Forschungsinstituts Emnid, durchgeführt im September dieses Jahres, besagt, dass 61% der Bevölkerung davon überzeugt sind, dass es zur Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands notwendig sei, Verzicht zu üben. Sollten wir nicht angesichts solcher Erkenntnisse auch einmal innehalten und den Deutschen unseren Respekt bezeugen? Ich meine schon. Zumal die Menschen sich tagtäglich anhören müssen, dass sie raffgierig, selbstsüchtig, faul und verantwortungslos sind und nur ihren Vorteil im Auge haben.

Was sich zur Zeit in Deutschland tut, widerlegt diejenigen, die sagen, man könnte die Uhr nicht mehr zurückdrehen. Man kann. Und wir sollten das dankbar zur Kenntnis nehmen. Schon die gewaltlose Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten (im Jahr) 1989 war ein Wunder. Was sich jetzt tut, ist wieder ein Wunder. Lohnverzicht und Mehrarbeit haben kurz- und mittelfristig Konsumverzicht zur Folge. Ich bin sicher, die Menschen wissen das, und sie nehmen das in Kauf, um Deutschland wirtschaftlich wieder nach vorne zu bringen. Wissend, dass ihnen der wirtschaftliche Aufschwung zugute kommen wird.

Welche Konsequenzen müssen wir, die in der Wirtschaft Verantwortung tragen, ziehen?

  • Wir müssen die Wachstumspläne in den Konsumgütermärkten auf ein realistisches Maß zurücknehmen.

  • Wir müssen aufhören Wachstum erzwingen zu wollen, indem wir einen Wettbewerb führen, der am Ende nur Geld kostet und nicht zum Erfolg führt.

  • Wir müssen den Mut aufbringen, Qualität vor Quantität zu setzen und auf so dumme Sprüche wie „Geiz ist geil“ verzichten.

Lohnverzicht und Mehrarbeit heißt Konsumverzicht und darauf sollte sich Industrie und Handel einstellen. Letztendlich gilt es aber auch, die Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland zu stärken, um dem Menschen und der Wirtschaft zu dienen.

 
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