| Hat das Warenhaus noch eine Zukunft? |
| BriefLetter - Issue 21/2004 |
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Die Krise in Europas größtem Warenhauskonzern Karstadt-Quelle AG hat erneut die Diskussion über die Zukunftsfähigkeit des Warenhauses voll entfacht. Wenngleich man die speziellen Probleme der Karstadt-Quelle AG nicht unbedingt generalisieren darf, stellt sich in diesem Fall natürlich auch die Frage, inwieweit ein anderes Management und andere Eigentümer der generellen Krise des Warenhauses hätten entfliehen können.
Mehr spricht dafür, dass das Warenhaus tatsächlich nur noch sehr geringe Überlebenschancen hat. Es hat sich überlebt, wie der Tante Emma Laden im Kleinen vor zwanzig Jahren. Wir haben im Jahr 2000 in unserer Synesis bereits geschrieben, dass das Warenhaus nach unserem Modell des Taillierten Vierecks© in der Mitte des Marktes zwischen der vertikalen Struktur der Distribution von Luxusgütern auf der einen Seite und den für die Bedarfsdeckung zuständigen Mega- und Discountmärkten auf der anderen Seite kaum einen angemessenen Lebensraum mehr finden kann. Das Warenhaus hat das Image, teuer zu sein. Abgesehen davon, bevorzugen die Verbraucher heute andere Einkaufsstätten als solche, in denen vom Kopfsalat und BHs auf Wühltischen über HiFi-Geräte zu Spitzenpreisen und Kopien von Louis Vuitton Taschen bis hin zu Gartenmöbel alles angeboten wird. Spärlicher Service, kaum vorhandenes Fachpersonal und nicht selten Preise, die nur bedingt wettbewerbsfähig sind, tun ein Übriges, Kunden anderen Formen des Handels zu überlassen. Das Konzept „Alles unter einem Dach“ spricht in gesättigten Märkten nicht mehr an. Dass es in bestimmten Fällen noch funktioniert, wie beispielsweise das Traditionshaus KaDeWe in Berlin, ist die Ausnahme, die nicht mehr als die Regel bestätigt. Das Warenhaus hat nach über hundert Jahren ausgedient. Das von der Karstadt-Quelle AG vorgestellte Überlebenskonzept, nach dem etwa die Hälfte ihrer Warenhäuser künftig nur noch Luxusprodukte anbieten werden, um so, über höhere Margen, wieder Gewinne erwirtschaften zu können, wird ebenfalls scheitern. Die großen Marken haben längst über den vertikalen Vertrieb den Weg zu ihren Kunden gefunden. Mit denjenigen, die das noch nicht geschafft haben, wird die Karstadt-Quelle AG keine ausreichende Geschäftsbasis finden. Wir sehen die Möglichkeit eine Reihe von Warenhäuser in Malls umzufunktionieren, in denen Markenfirmen als Mieter ihre Geschäfte auf eigene Rechnung betreiben. Die Aufgabe der Warenhauskonzerne ist dann die einer Immobilienverwaltung. Inwieweit die Konzerne gegen Festmiete vermieten oder, wie es auf Flugplätzen üblich ist, am Umsatz beteiligt werden, hängt von den jeweiligen Konzeptionen ab. Wir geben den Malls als Nachfolger von Warenhäusern gute Chancen. Die Mietpreise dürften günstiger sein als für Geschäfte mit der Tür zur Straße, und die Fachgeschäftskonzentration an einem Platz, zumeist mit angeschlossenem Parkhaus, ist attraktiv. Mit Sicherheit kann man auch davon ausgehen, dass die Fachgeschäfte im Service dem alten Warenhaus überlegen sein werden. Was ebenfalls von Bedeutung sein wird: Die Marken können im Umfeld einer Mall ihre volle Aura entfalten. Das ist in einem Warenhaus nur sehr bedingt möglich. Dem Warenhaus herkömmlicher Art geben wir nur geringe Überlebenschancen und stehen deshalb Investitionen in Warenhauskonzerne kritisch gegenüber. |

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