Das lange Warten auf das Anspringen des Konsummotors in Europa
BriefLetter - Issue 20/2004
Kaum ein Tag, an dem Politiker, Funktionäre der Verbände und andere Interessenvertreter entweder das Ende der allgemeinen Konsumflaute herannahen hören oder über die bestehende Situation klagen.

Unsere Position zum Thema ist bekannt: Abgesehen von Firmenkonjunkturen und relativ guten Zahlen im Luxus-, PremiumEconomy- und Economy Segment ist der Konsumgüterabsatz von Negativzahlen geprägt und das wird sich auch 2005 nicht wesentlich ändern.

Die Menschen stehen mitten in einer Umstrukturierung ihrer Ausgaben. Abgesehen davon, dass mehr gespart wird. Übrigens: Dabei kommt der gute alte Sparstrumpf zu Ehren, weil längst nicht mehr alles gesparte Geld auf die Bank getragen wird. Die Menschen geben mehr Geld für Gesundheit, Bildung und Ausbildung aus. Gezwungenermaßen fließt auch mehr Geld in Abgaben, Gebühren und in die privaten „Betriebskosten“, wie Benzin, Wohnung und Energie ganz allgemein. Und last but not least legen die Menschen auch Geld für den Fall einer Arbeitslosigkeit beiseite. Der sich hieraus ergebende teilweise Verzicht auf eine Art zu konsumieren, wie dies in den 70iger und 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts üblich war, ist als Teil des Wertewandels längst abgehakt. Wer daher nicht länger auf das Ende des stotternden Konsummotors wartet, sondern sich neu einrichtet und neu aufstellt, ist alles in allem besser dran.

Ein Problem ist das allerdings, das uns alle vor neue große Probleme stellen kann: Die nicht enden wollende Verlagerung von Arbeitsplätzen aus Europa nach Fernost, vornehmlich China.

Die Zeit ist vielleicht näher da, als wir es uns wünschen, dass die EU (und wenn nicht sie, dann Länder wie Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien) den Arbeitsplatzabbau, mit nachhaltigen Gegenmaßnahmen in der Tasche in Augenschein nehmen muss. Es sind die internationalen Konzerne, die Europa an den Rand des Ruins treiben könnten. Natürlich brauchen wir heute Produktionsstrukturen globaler Art für Produkte mit globalem Vertrieb.

Die Produktion muss dem Absatz folgen, aber es kann nicht gut gehen, wenn die Konzerne Produkte des Luxusgütersegments des Marktes in Niedriglohnländer produzieren, einen Teil der Wertschöpfung im Ausland abladen und die Produkte dann in Ländern verkaufen wollen, in denen sie vorher die Arbeitsplätze abgebaut und Milliardenvermögen durch falsche Entscheidungen in den Sand gesetzt haben.

Es gibt keinen Grund der Welt, italienische Schuhe der Luxusklasse zu Preisen bis zu 400 und 500€ in China zu 35€ herstellen zu lassen, weil die Produktion in Europa zu teuer ist. Wenn der Vermarkter einer Schweizer Hemdenmarke die Hemden in Italien bestellt, der Italiener den Auftrag an ein türkisches Unternehmen weitergibt, das die Hemden am billigsten in Rumänien herstellen lassen kann, dann wissen wir, dass es zu einer Katastrophe kommen muss. Dies ist im übrigen kein Einzelfall, sondern nur ein Beispiel, wie die Textilindustrie heute in großem Stil arbeitet Diese Katastrophe fünf Minuten vor Zwölf abzuwenden, wird nur möglich sein, wenn Industrie und Handel neue Strategien entwickeln und auf den Weg bringen.

Umsatz wird nur dort gemacht, wo es auch ein entsprechendes Einkommen gibt.

 
SchmidPreissler SchmidPreissler Strategy Consultants


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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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