Das Geld anderer Leute
BriefLetter - Issue 02/2016

Liebe Leserinnen und Leser,

die in meinen Augen zunehmend konzeptionslose Vermarktung von Konsumgütern, Mainstream- Produkten und sogenannten Luxusgütern waren für mich in der Vergangenheit eigentlich immer wieder Aufforderung genug, über die inhaltlich schrillen Töne der einzelnen Werbebotschaften  und den daraus resultierenden Folgeschäden für die Märkte zu schreiben. Zurückgehalten hat mich allein die Überlegung, dass es sich hier aber in erster Linie um ein Phänomen handelt, das primär in den Märkten der Ersten Welt anzutreffen ist und dem natürlich auch eine respektable Zahl professionell arbeitender Marktteilnehmer gegenübersteht.

Die immer plumper werdenden Maßnahmen, die Botschaft „ich will dein Geld!“ loszuwerden und das in einem Interview bekannt gemachte Denken und Handeln eines in Deutschland an sich hochgeschätzten Handelsmannes, wonach es seiner Überzeugung nach keiner Strategie zur Bewältigung der Zukunft bedarf, sondern lediglich eine „Roadmap für das Heute“ dafür notwendig ist, sind für mich jetzt doch Anlass ein paar Worte darüber aus meiner Sicht zu verlieren.

„Ich will dein Geld!“ Ähnlich inhaltlich antiquierte Botschaften, wie sie Vance Packard  in seinem Sachbuch „ Die geheimen Verführer“, 1957, zum Thema Werbung bereits anprangerte, in einer Zeit, in der die Menschen noch als Konsumgesellschaft gesehen wurden, sollen heute, hübsch verpackt in Sales- und Rabattangebote, „auf Teufel komm raus“ Umsätze produzieren.

Ich sehe darin eine große Gefahr, weil es am Ende des Tages dazu führt, dass die Qualität der Produkte und damit das Rückgrat, nämlich das solide Wachstum tragender Märkte angegriffen wird.

Beispiel dafür ist die Entwicklung der Qualität von Lebensmittelprodukten. Die jahrelang nur auf die Preis-Optik fixierten Discount- und Supermärkte zwingen die Hersteller mit allen Mitteln
die Qualität ihrer Produkte am untersten legalen Standard zu halten. Ähnliches gilt auch in der Textilbranche mit der Folge, dass u.a. gesundheitsgefährdende Textilien produziert werden, die reißenden Absatz finden, weil sie billig zu haben sind.

Um an das Geld der Menschen zu kommen, werden immer häufiger Labels und Logos als wertvolle Marken angepriesen. Natürlich wortlos in einer nichtssagenden Bildersprache, um jeglicher Verpflichtung und Verantwortung aus dem Weg zu gehen.

Langzeitschäden für die Märkte verursacht aber auch der Missbrauch klassischer Luxusmarken für millionenfach hergestellter Industrieprodukte, denen das Image der Exklusivität mit der  entsprechenden Inszenierung mit auf den Weg zum Käufer gegeben wird.

Keine Sorge! Weizen und Spreu trennen sich beim Dreschen, so könnte man meinen. Das mag auch hie und da, nicht aber auf das Ganze gesehen, stimmen. Während die in reinem Umsatzdenken verharrenden Marktteilnehmer die Menschen immer noch als Konsumgesellschaft sehen, in der die Losung des Tages „konsumieren, konsumieren und nochmals konsumieren“ heißt, haben die Menschen diese Konsum orientierte und vom reinen Konsum bestimmte Lebensphase längst verlassen und sind heute eine Wissensgesellschaft, in der der Konsum sicherlich noch eine wichtige Rolle spielt.
Es handelt sich dabei aber um einen sich an der Qualität orientierten Konsum. Selbst wenn sich dieser Qualitätskonsum noch in den meisten Branchen in einer Art Entwicklungsstadium befindet, so ist davon auszugehen, dass  in den gesättigten Märkten, und das gilt insbesondere für die Märkte in der Ersten Welt, in Zukunft gelten wird: Qualität kommt vor Quantität!

Ein wichtiger Grund für denjenigen, der das Geld anderer Menschen haben möchte, ihnen etwas anderes anzubieten als nur einen billigen Preis. Er  muss auf das hohe Gut der Marke setzen und wahrhaftig kommunizieren. So entsteht künftig Wachstum. Übrigens, die beiden deutschen Discounter ALDI und Lidl sind gerade dabei, neue Strategien auf den Weg zu bringen, in denen Qualitäten, die eigene und auch die der Hersteller, Marken und ein neuer Ton in der Kommunikation bestimmend sind. Ein Wechsel in der Wortwahl: Das Wort „billig“ weicht dem Wort „preiswert“ geht damit einher.

Nach meiner Einschätzung werden die Menschen sich von der Wissensgesellschaft hin zu einer Wertegesellschaft entwickeln.
Glücklich sind die Unternehmen, die es verstehen aus ihrem Werteverständnis heraus Produkte zu schaffen, die von starken Marken getragen sind.
Diese Unternehmen werden in der Wissens- und kommenden Wertegesellschaft treue Kunden haben und Marktführer in ihren Märkten sein. Zu letzterem muss man übrigens nicht groß sein, sondern nur Bester oder Beste.

In diesem Sinne bin ich
Ihr

F.M.Schmid-Preissler

 
SchmidPreissler SchmidPreissler Strategy Consultants


Specialized in consumer goods related industries, trade and investments.

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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle

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