Über Wachstum und Stimmung in der Wirtschaft
BriefLetter - Issue 18/2004
Wer die täglichen Meldungen in den Medien verfolgt, muss sich zwangsläufig fragen, für wen eigentlich die Prognosen über das Wirtschaftswachstum erstellt werden und für wen die Stimmung in der Wirtschaft beschrieben wird.

Man gewinnt den Eindruck, die Forschung, Beobachtung und Analyse der einschlägigen Institute erstellen nur noch Gefälligkeitsberichte für ihre Klientel nach dem Motto „Wie hätten Sie es denn gerne“. Und die Medien lassen sich vor diese Karren spannen und produzieren damit Unsicherheit und einen Schwund an Vertrauen.

Was sollen die Menschen noch glauben, woran sollen sie sich halten? Schon stellen wir fest, dass die Privatanleger zunehmend den Aktienmarkt meiden, zurückhaltend investieren. In verschiedenen Ländern steigt die Sparquote über ein vernünftiges Maß hinaus, in allen Ländern machen die Menschen mehr Schulden als vertretbar. Beides ist gleichermaßen ungut.

Ob 1,8% oder 2,1% Wachstum sieht zwar nur nach einer Differenz von 0,3% aus, aber man kann auch daraus lesen, dass es einen Unterschied von über 16% ausmacht.

Natürlich ist nichts dagegen einzuwenden, dass darüber berichtet wird, wenn der amerikanische Einkäuferindex um den einen oder anderen Punkt mal steigt und mal fällt, aber daraus zu schließen, dass das unmittelbare Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben kann, ist so sinnlos, als wenn jemand in Berlin darüber reflektiert, was wohl die Folgen sein werden, wenn am Platz des Himmlischen Friedens ein Fahrrad umfällt.

Welchen Schluss ziehen wir aus all dem? Wir müssen die eigenen Stärken messen und wiegen und auf die gesetzten Ziele ausgerichtet einsetzen. Und wenn für die wirtschaftliche Großwetterlage Sturm angesagt ist, dürfen wir nicht zu Hause bleiben, sondern müssen ausgerüstet für schlechtes Wetter weiter den eingeschlagenen Weg zu gehen. Gleiches gilt in Zeiten, in denen ein Hoch über einem hinweg zieht. Auch dann sollte man unbeeindruckt vom Allgemeinen seinen Weg gehen. So lassen sich Vertrauen und Glaubwürdigkeit erhalten und dauerhaft Erfolge erzielen.

 
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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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