Fluggesellschaften und Automobilindustrie verändern in dem SchmidPreissler Bild vom Markt, dem Taillierten Viereck©2004, ihre Profile dramatisch.
BriefLetter - Issue 11/2004
Die Fluggesellschaften ändern ihre Marktstrategien radikal. Bisher kannten die „klassischen“ Fluggesellschaften (oder Liniengesellschaften wie sie sich auch nannten) vier Marktfelder, in denen sie ihre Produkte positionierten: Die Luxus-, Premium- und Economyfelder mit den Produkten 1. Klasse, Business- und Economyklasse. Und dann gab es noch für den Massenmarkt die Sonderangebote. Den Schwerpunkt legten die Fluggesellschaften ganz eindeutig auf die „Mitte“. Das Ganze ist Vergangenheit.

Den neuen Strategien liegt mit den Feldern Luxus, PremiumEconomy und Economy das SchmidPreissler Bild vom Markt zugrunde. Das Premiumfeld verliert rapid zu Gunsten des PremiumEconomyfeldes an Bedeutung. Das Luxusfeld bleibt nur noch aus Prestigegründen, aber ohne Ambitionen, erhalten. Das Luxusfeld hat für die Liniengesellschaften keine wirkliche Zukunft, weil die in dieser Klasse Reisenden zunehmend Kunden der Chartergesellschaften werden oder mit eigenen Maschinen und im Rahmen von Zeitsharingsystemen reisen. Aus Zeit- und Sicherheitsgründen.

Die ganze Aufmerksamkeit schenken die Liniengesellschaften mit ihren Produkten dem PremiumEconomyfeld. Mit einer Businessklasse, die keine Wünsche offen lässt, preislich aber dem scharf rechnenden Fluggast entgegenkommt.

Und wegen des ungebrochenen Massentourismus holen sich die Liniengesellschaften ihren Marktanteil offen und direkt im Economyfeld des neuen Marktbildes über einen rigiden Preiswettbewerb mit den Billigfliegern.

Mittelfristig, sprich in einem Zeitraum von etwa drei bis fünf Jahren, werden die Liniengesellschaften ihr Geschäft mit einem Zwei-Klassen-Konzept machen: Mit der Businessklasse im PremiumEconomy Segment und der Touristenklasse im Economy Segment. Die Marktfelder Luxus und Premium wird es in der heutigen Form nicht mehr geben.

Waisted Rectangle


Auch die Automobilindustrie strukturiert ihr Angebot neu und nimmt zunehmend ihre Chancen im PremiumEconomyfeld des neuen Bildes der Absatzmärkte, dem Taillierten Viereck©2004 wahr. Was man bisher unter „Mittelklassesegment“ verstand, wird neu positioniert. Das Angebot findet sich entweder aufgewertet im Luxusfeld des Marktes oder mit einem scharf kalkulierten Preis-/Leistungsverhältnis ohne luxuriösen Anstrich im PremiumEconomyfeld. Schließlich wird die „Mittelklasse“ auf der Strecke bleiben. Hersteller, die in der Vergangenheit in diesem Feld des Marktes führende Positionen eingenommen haben, stecken in Europa, speziell in Deutschland, heute bereits in ernsten Existenzkrisen: Opel und Ford zum Beispiel. BMW hat das Problem „der Mitte“ rechtzeitig erkannt und versucht mit der 1er-Modellreihe und dem Mini für sich ein PremiumEconomysegment zu schaffen. Mit Abstand am besten hat sich Toyota positioniert. Mit Lexus im Luxusfeld und einem breiten Angebot von kleinen Premiummodellen im PremiumEconomyfeld.

Interessant ist, dass die Automobilindustrie weltweit dabei ist, den Massenmarkt zu entdecken. Renault hat in diesen Wochen diesbezüglich einen ersten konkreten Schritt getan. Das Fünftausend-Euro-Auto geht in Produktion. Zunächst für die Zweite und Dritte Welt. Die Einführung in der Ersten Welt wird nicht lange auf sich warten lassen, denn die Nachfrage nach Autos in der Preislage um die 5.000,-- Euro ist in großem Maße vorhanden. Mehr als nach dem „3-Liter-Auto“. Länder wie China und Indien werden in absehbarer Zeit weltweit Autos für das Economy Segment des Marktes produzieren und vermarkten. Diese Autos werden sichere und preiswerte Verkehrsmittel sein, ohne viel Elektronik, anspruchslos, einfach auszutauschenden Teilen und in jeder Kraftfahrzeugwerkstatt reparierbar. Verkauft werden diese Autos über Discounter wie beispielsweise Aldi. Der Luxus, den diese Autos bieten werden, ist die Tatsache, dass sie sich die Menschen leisten können.

Für die europäische und amerikanische Automobilindustrie brechen schwere Zeiten an. Während die Europäer sich im Luxusfeld einen erbitterten Wettbewerb liefern und im PremiumEconomyfeld auf sich mit den Japanern auseinandersetzen müssen, werden die Amerikaner ihre Rolle als größte Anbieter verlieren und möglicherweise werden aus den drei Großen, natürlich GM, Ford und Chrysler, Unternehmen, bei denen das in den USA gefertigte Automobil nur noch eine untergeordnete Rolle spielt.

 
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