„Jürgen Schrempps Welt AG gescheitert“
BriefLetter - Issue 06/2004
- so steht es in diesen Tagen in allen Gazetten der Welt. Der Mann war ausgezogen eine Welt AG aufzubauen. Netzwerke von Produktionsstätten und Absatzorganisationen mit einem Strauß von Marken im Angebot.

Er war beseelt, im Württembergischen vor den Toren der Stadt Stuttgart, eine Art Vatikan zu bauen. Begonnen hatte das Ganze im Jahr 2000 mit dem Erwerb des drittgrößten amerikanischen Automobilherstellers Chrysler, oder, wie die offizielle Version lautete, mit der Fusion unter Gleichen. Der Einstieg bei der Mitsubishi Motor Company sollte die „Round the world story“ krönen. Zuhause in Deutschland verlor das Unternehmen Mercedes-Benz in der Zwischenzeit einen zweistelligen Milliarden Euro Betrag an Wert.

Zunächst regte sich kein Wort der Kritik. Niemand schien sich öffentlich zu fragen, ob das Ganze denn wirklich Sinn macht und wo denn Nutzen und Segen liegen. Weder die Medien noch Wirtschaftsfachleute, Marktforscher und Analytiker oder andere Sachkundige hegten Zweifel.

Wir haben 2001 in der zehnten Ausgabe von Synesis zum Thema Welt AG im Zusammenhang mit der Frage, ob es Weltmarken gibt, das Folgende geschrieben:

Nur weil ein Unternehmen mit seinen Produkten weltweit präsent ist, sind seine Marken keine Weltmarken, sondern englische, amerikanische oder japanische. So wie es keine Weltbürger gibt, gibt es keine Weltmarken, übrigens auch keine Welt AG, ein Begriff, dem man zurzeit auf die Beine zu helfen versucht, um seine Erfinder als Heroen einer Weltwirtschaft zu inthronisieren.

Für uns ist das Scheitern der Idee, eine Welt AG aufzubauen, nicht mehr als die Bestätigung dessen, was wir bereits 2001 geschrieben haben. Wir bedauern alle diejenigen, die Geld verloren haben und hoffen, dass der Fall DaimlerChrysler wenigstens in so weit erfolgreich ist, dass er andere davon abhält, gleiches zu tun.

Erfolgreiche Globalisierung der Geschäfte setzt voraus, dass Unternehmen niemals vergessen, ihre Identität und die ihrer Produkte und Marken zu bewahren. Niemand will ein Weltauto, eine Welt-Cola oder ein Welt-Sushi. Und jedermann, jedes Land und jeder Kontinent wünscht sich alles andere als von einer Weltmacht vereinnahmt zu werden. Weder von einer politischen noch von einer wirtschaftlichen.

Vielleicht sollten wir alle den Fall Schrempp zum Anlass nehmen, schon in unserer Sprache vorsichtiger zu sein, in dem wir das Wort Global Player aus unserem Vokabular streichen.
Globalisierung ist kein Spiel, und Unternehmer sollten keine Spieler sein. Der Fall Schrempp und diejenigen, die ihn bestärkten zu tun, was er getan hat, sollten uns eine Lehre sein.

 
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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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