Kultur zu kaufen gesucht
BriefLetter - Issue 02/2008
Nachdem in Wirtschaft und Politik weltweit seit einiger Zeit vieles schief läuft, suchen nachdenklich gewordene Verantwortliche nach den Ursachen und vor allem nach Lösungen, denn, darüber besteht überall Einigkeit, so kann es nicht weitergehen. Rücksichtslose Gewinnmaximierung, Korruption, Mobbing, Raffsucht, Ausbeutung, Eskalation der Gewalt, Rücksichtslosigkeit gegenüber dem Schwächeren und vieles mehr hält die Gesellschaft als Ganzes, aber auch ein einzelnes Land oder eine einzelne Unternehmung auf Dauer nicht aus. Was aber tun?

Die Wirtschaft versucht die Probleme in Griff zu bekommen. Einzelne Persönlichkeiten machen sich stark für einen Wandel. Verbände und Organisationen versuchen mit Aufrufen, Kommissionen, freiwilligen Kontrolleinrichtungen und der Publizierung von Verhaltensregeln ihr Bestes zu geben, um der Ausuferung Herr zu werden. Weil die Erfolge aber bisher eher bescheiden sind, wird der Ruf nach einer neuen Wirtschafts- und Unternehmenskultur immer lauter. Das Problem dabei: Kultur kann man nicht verordnen und nicht durch Verhaltensregeln einfach von heute auf morgen einführen. Kultur kann man auch nicht kaufen.

Richtig ist, dass nur eine starke Wirtschafts- und Unternehmenskultur in der Lage ist, die vorherrschenden Probleme zu lösen. Richtig ist auch, dass wir nicht weiter zusehen dürfen wie Anstand und Moral, wichtige Grundsätze allen Handelns, für immer verloren gehen. Weil man Kultur aber nicht einfach wie eine Telefonanlage kaufen oder wie ein IT- Konzept einführen kann, muss man sich zunächst einmal mit dem Begriff Kultur und den Werten, die sich ihr verbinden, befassen. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. Mit dem Begriff Kultur verbindet man Grundsätze, Prinzipien, Ideale, Wertmaßstäbe und Wertvorstellungen. Diese Werte gilt es zu erkennen, wieder zu entdecken und in unseren Sinnen freizulegen und bewusst zu machen.

Kultur verlangt einen fortdauernden Lernprozess, an dem alle, die in einem Unternehmen tätig sind, aktiv beteiligt sind. Kultur braucht Zeit sich zu entwickeln, viel Zeit. Kultur verlangt ein Bekenntnis zu den immateriellen Werten eines Unternehmens. Kultur reklamiert die Akzeptanz von Wahrhaftigkeit und Lauterkeit, Fairness und ein Bekenntnis zum Gemeinsinn.

Kultur ist nicht laut und aufdringlich. Sie will auch nicht, dass man ständig über sie spricht. Wahre Kultur spürt man, sie füllt den Raum, in dem ein Unternehmen lebt, drinnen wie draußen. Immer und überall.

Unternehmenskultur macht frei und souverän und damit überlegen und langlebig. Nichts beeindruckt stärker als eine gepflegte und gelebte Unternehmenskultur. Sie überlebt und überdauert Zeiten, auch solche wie die, die wir im Moment durchleben, nicht zuletzt, weil sie immunisiert. 
 
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