Die Bankenkrise hat auch ihr Gutes
BriefLetter - Issue 17/2007
Wäre die teilweise zu risikoreiche Finanzierung von privaten Immobilien in den USA nicht zum Auslöser einer Krise im internationalen Bankgeschäft geworden, man hätte vielleicht eine Situation herbeiführen müssen, die die Kapitalmärkte zur Besinnung bringt und die Berücksichtigung all jener Werte fordert, mit denen die Banken in der Vergangenheit häufig geworben haben, ohne diese selbst zur Grundlage ihres eigenen Handelns gemacht zu haben.

Die irrige Annahme, Größe sei das alles Entscheidende im Rahmen der Globalisierung, hat vielen Managern, auch Bankmanagern, den Blick für die Realitäten verstellt. Und dann wurde der nicht fassbare Begriff von Größe auch noch in dem Sinne falsch verstanden, als mit der Größe eines Geschäftes die Sicherheiten nicht selten risikoreich relativiert wurden.
Der Wert des Geldes wurde schlicht und einfach demontiert.

Die Wirkung all dieser verhängnisvollen Entwicklungen kam nun, zwar lange vermutet und gelegentlich auch angekündigt, aber dann doch unerwartet und mit voller Wucht, wobei denkbar ist, dass das Ganze noch lange nicht voll und ganz ausgestanden ist.

Warum sage ich, dass die Bankenkrise auch ihr Gutes hat? Ich bin davon überzeugt, dass diese Krise den fahrlässig Spielenden für einige Zeit ein Riegel vor ihr Handeln geschoben wird und dass sie für andere, die nur zu unvorsichtig mit dem Ausgeben und Ausleihen von Geld geworden sind, ein eindeutiges Zeichen gesetzt hat, die Augen auf und die Geldbörse zuzuhalten und nur dort aktiv zu werden, wo die Verhältnisse es erlauben.

Ich wünsche mir weniger Fusionen, weniger Übernahmen, mehr Vorsicht bei der Aufnahme von neuen Gesellschaftern, größere Zurückhaltung bei Corporate Finance Angeboten, weniger Angst vor Globalisierung, mehr Vertrauen in die eigenen Kräfte. Und ich wünsche mir, dass die Gesetzgeber aktiv werden und Rahmenbedingungen schaffen, die es schwerer machen, die Grenzen der Sicherheit zu überspringen und drakonische Strafen für diejenigen vorsehen, die fahrlässig und in der Absicht zu betrügen, handeln.

Erfolg bringende Unternehmensstrategien sind nicht unmöglich oder nur bedingt möglich, wenn Kredite spärlicher fließen oder für deren Vergabe gar strengere Bedingungen Voraussetzung sind. Ich denke eher, das Gegenteil ist der Fall. Ohne Solidität ist auf Dauer kein Geschäft zu machen.

Wachstum und Performance brauchen eine gesunde Grundlage und die gibt es ohne eine seriöse Finanzierung nicht. Hier stehen die Banken in der Pflicht. Es gilt, die Spielregeln neu zu überdenken. Ludwig Ehard hat einmal die Parole ausgegeben: Maßhalten. Vielleicht war das damals, nach dem Zweiten Weltkrieg, in einer boomenden Aufbauperiode der Wirtschaft kein überzeugendes Rezept, heute aber erscheint es mir von höchster Aktualität zu sein. In diesen Wochen werden die Geschäftspläne für die Jahre 2008, 2009 und 2010 geschrieben. Ich empfehle allen, das Wort vom Maßhalten zu verinnerlichen. 

 
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