Europa im Herzen und das eigene Land und die Herkunft im Sinn
BriefLetter - Issue 16/2007
Europa im Herzen und das eigene Land im Sinn, an dieser Einstellung ist ganz und gar nichts zu kritisieren. Im Gegenteil. Wenn aus Europa ein geeinter und starker Kontinent werden soll, dann müssen wir die kulturellen Wurzeln der Menschen der einzelnen Länder nicht nur verbal in einer Art Pflichtübung im Gespräch halten, sondern lebendig und nachdrücklich, ich möchte fast sagen, leidenschaftlich verteidigen.

Ich habe das nach der Wahl des französischen Staatspräsidenten Sarkozy gesagt und ihn diesbezüglich als beispiellos bezeichnet.

Europas Stärke liegt in seiner Vielfalt. Die unvergleichliche Leidenschaft der Schweden für das Outdoor Life, die Kunst der Italiener in jedem Restaurant eine familiäre Atmosphäre zu schaffen, die geistige Brillanz der Franzosen, die Einzigartigkeit deutscher Autos, der oft kopierte, aber nie erreichte Geschmack eines Original Pilsener Pils, dies alles darf nicht einem „Made in Europe“ oder einem neuen europäischen Einheitsimage zum Opfer fallen. Den Beteuerungen der Politiker, dass sie ja für die Vielfalt Europas eintreten, darf man keinen Glauben schenken, weil sie sowohl in Brüssel als auch in Straßburg eine Politik machen und in Gesetze gießen, die eben genau das bewirkt, was es zu verhindern gilt. Wie? In dem wir in allen Unternehmensstrategien speziell die beiden ersten Elemente der SchmidPreissler’schen Markendefinition, Geschichte und Herkunft, sehr deutlich herausarbeiten.
Dass die Deutschen und unter ihnen speziell die Politiker ein Problem mit Europa haben, wenn es darum geht, nationale Werte und die sich daraus ableitenden Konsequenzen, sich an erster Stelle zu platzieren, liegt einfach daran, dass sie bildlich gesprochen, anders als die Franzosen, nur über unzulänglich intellektuelle Ellbogen verfügen und deshalb sehr häufig ins europäische Fabulieren verfallen, um ihre Platzierung auf hinteren Plätzen, wenn es um die Durchsetzung nationaler Interessen geht, zu verwinden. Gerade im Vergleich mit den Franzosen müssen die deutschen Politiker sich mit dem zweiten Platz zufrieden geben, weil unter den deutschen Politikern zu wenig herausragende Persönlichkeiten zu finden sind. In den Führungspositionen der Wirtschaft darf dies jedoch nicht geschehen.

Man kann sehr wohl ein guter Europäer sein und sich gleichzeitig zu seiner eigenen kulturellen Herkunft bekennen. Ich denke da immer an meine amerikanischen Freunde und Geschäftspartner, die nur sehr selten in einer Unterhaltung nicht darauf hinweisen, dass Eltern oder Großeltern aus Dänemark oder Polen, aus Deutschland oder Schweden stammen.

Für mich muss in jeder Strategie Geschichte und Herkunft eines Unternehmens fest verankert sein und ich setze mich auch immer wieder dafür ein, dass speziell Geschichte und Herkunft gelebt wird.

 
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