Die Zukunft der Warenhauskonzerne
BriefLetter - Issue 16/2007

Die Warenhauskonzerne erkennen ganz offensichtlich, dass es im Premium- und Luxussegment des Marktes für Konsumgüter national und regional keinen ausreichenden Lebensraum mehr gibt.

Wer hätte das gedacht, dass sich die Manager von Karstadt, Debenhams, Galeries Lafayette und Rinascente coram publico an einen Tisch setzen, um über ihre Zukunft, womöglich sogar über eine gemeinsame Zukunft zu reden? Dies zeugt von Verantwortungsbewusstsein und Mut und verdient gewürdigt zu werden. Wir sagen schon lange, dass es für diese Häuser keine Zukunft in Unabhängigkeit gibt, und, dass die Markenunternehmen auf Dauer billiger fahren, wenn sie statt der nicht enden wollenden Wünsche nach Marketingzuschüssen der Warenhauskonzerne die vertikale Distribution in Freiheit und Unabhängigkeit forcieren.

Für mein Dafürhalten ist diese Entwicklung gut, weil es gar keine Alternative gibt. Das Ende des nationalen Warenhauses ist heute schon Wirklichkeit, weil es in der Mitte zwischen Discounter und Megastores und Factory Outlets der global operierenden Megamarken keinen Lebensraum für eine Einzelhandelsspezifität mit einem Kostenballast, wie ihn die Warenhauskonzerne haben, gibt, denn die Verkaufspreise bieten den Kunden keinen überzeugenden Nutzen oder Vorteil.

„Stadtshoppen“ mag eine interessante Wortschöpfung sein, mehr aber auch nicht, in Zeiten, in denen sich die Menschen auf überfüllten Straßen in die Innenstädte quälen und am Ziel angelangt, meist nur Parkplätze zu horrenden Gebühren zur Verfügung stehen und die geringste Parkzeitüberschreitung einen saftigen Strafzettel zur Folge hat.

Karstadt hat es in jüngster Zeit mit einem Konzept des so genannten Stadtshoppen versucht: Hier Kaufhaus für Lust und Luxus sein zu wollen und da Monat für Monat verzweifelt mit einem Preis-Tag-Marketing Stadtmarketing zu propagieren, das ist einfach nicht überzeugend.

Die goldenen Zeiten des Kaufhauses, die in dem Buch über die Wertheim Geschichte so eindrucksvoll beschrieben sind und denen Marketing- und Werbeleute neues Leben einhauchen wollten, sind tot.

Kein Kaufhausmanager kann seinen Investoren Ebit-Gewinnzahlen abliefern, die mit denen vergleichbar sind, die heute mit den vertikalen Vertriebsstrukturen der Megamarken erzielt werden und die Eigentümer der Megamarken können auf die unabhängigen Absatzstellen, in denen sie die Lebensräume ihrer Marken inszenieren, nicht mehr verzichten. Und, was sie auch nicht können und wollen ist, mit ihren Marken den Privatlabels der Warenhauskonzerne Lebenshilfe zu geben.

Wenn es keinen Lebensraum auf nationaler und regionaler Ebene gibt, sind denn dann die Perspektiven auf europäischer Ebene besser? Diese Frage drängt sich zwangsläufig auf, wenn man meinen Aspekten folgen will. Ich meine, eine europäische Lösung, der dann aber auch noch Warenhauskonzerne anderer europäischer Länder beitreten sollten, ist denkbar, wenn sie darin besteht, mittelfristig das Warengeschäft abzugeben und sich auf das Verkaufsflächenmanagement zurückzuziehen. Ich will keine Apokalypse verbreiten, ich denke jedoch, es ist ganz natürlich, dass der Wandel hier und da mehr als nur kleine Veränderungen mit sich bringt. Es gibt ja heute auch den Großhandel in seiner früheren Tätigkeit zwischen Hersteller und Einzelhändler nicht mehr und der traditionsreiche Export/Import hat sein Gesicht und die Inhalte der Geschäfte gewaltig verändert.

Als das Warenhaus geboren wurde, bestand ein Bedürfnis Erlebniswelten zu schaffen, die Menschen dem Konsum zuzuführen. Heutzutage können die Menschen soviel Schönes erleben, dass sie der künstlich erzeugten Kommerzeuphorie eigentlich nicht bedürfen. Ich halte die Warenmanager für klug genug, dies alles zu erkennen und mit dem ersten Schritt, sich zusammenzusetzen und über die Zukunft zu reden, weitere folgen lassen, die dann ihren Unternehmen neue Perspektiven verleihen.

 
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