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Der amerikanische Spielzeug Retailer Toys-R-Us hat in China hergestelltes Plastikspielzeug und Textilien zurück gerufen, weil diese Produkte möglicherweise gesundheitliche Schäden bei Menschen verursachen können.
China steht nun am Pranger. Diejenigen, die gestern noch, nach der bekannten Palmsonntag-Geschichte, China als Exportweltmeister in den Himmel gehoben haben, verteufeln das Land jetzt, weil sie meinen, dass die möglicherweise gesundheitsschädlichen Produkte als ein Anschlag auf die Gesundheit von Kindern gewertet werden kann. Die Medien sind alarmiert und berichten endlich und sicherlich auch zu Recht über diese Vorfälle. Die Größenordnungen, um die es sich in diesem Fall handelt, machen einen Aufruf in den Medien erforderlich, denn solche Publikationen tragen möglicherweise auch dazu bei, dass diese Art von gefährlicher Fehlerhaftigkeit verhindert werden kann. Ich finde hingegen nicht in Ordnung, dass man dabei, wie ich meine, geflissentlich übersieht, wer eine erhebliche Mitschuld an der ganzen Misere hat. Gerade dieses Verhalten verhindert in meinen Augen eine Verbesserung der Situation erheblich.
Mitschuld und Mitverantwortung tragen diejenigen Unternehmen, die trotz der Probleme, die die Produktion in China schafft, auch in Zukunft nur wegen billiger Einkaufspreise und immer noch billigerer Einkaufspreise bedenkenlos für Hungerlöhne unter ärgsten Bedingungen produzieren lassen. China allein ist es gar nicht, auch in anderen Ländern Asiens werden diese Probleme in naher Zukunft entstehen und zu Tage kommen. „Made in Asia“. China kann heute noch aufgrund der Nachfrage kaum vertretbare Qualität zu Niedrigpreise herstellen. Jeder Sachkundige kann sich an Hand von zehn Finger ausrechnen, dass Rohstoffprobleme, Facharbeitermangel, Stadtflucht, sprich die Rückkehr von Millionen Industriearbeiter aufs Land, neue Steuergesetze, Lohnsteigerungen von bis zu 30% pro Jahr, Infrastrukturprobleme und viele andere schwierige Entwicklungen zu einer Qualitätskatastrophe führen müssen. Ganz zu schweigen von ständigen steigenden Kreditkosten und Auftragsausfällen, weil Kunden Aufträge in andere Niedriglohnländer vergeben und in China dadurch schon mal Aufträge verloren gehen.
Unter dem Etikett „Made in Asia“ tickt eine Bombe, die es zu entschärfen gilt. Aber nicht durch wilde Kritik an den jeweiligen Ländern und schon gar nicht durch „business as usual“. Im Falle etwaiger Explosionen hofft man dann, dass man von Schäden verschont bleibt im Vertrauen auf den bäuerlichen Vers: „Heiliger St. Florian, verschon´ mein Haus`, zünd´ andere an!“
In unserer Eigenschaft als Strategieberater kennen wir die Thematik und kommen zu dem Urteil, endlich mit Unfug „beim Billigsten“ produzieren zu lassen, aufzuhören. Wir befürworten auch die Schließung der zahllosen kleinen Sourcingbüros in Hongkong und anderswo. Gleichzeitig sollten auch, unserer Meinung nach, die in der Mehrzahl eher fruchtlosen Reisen der Qualitätskontrolleure, die ständig zwischen Europa und Amerika unterwegs sind, eingestellt werden.
Es gibt einige, seit Jahrzehnten, ja man kann schon fast sagen, seit Jahrhunderten, tätige, sehr etablierte, sach- und fachkundige, asiatische Handelshäuser, die einen umfangreichen Service, von der Entwicklung von Konsumgütern bis hin zur Ablieferung an der Rampe oder bis zur Lieferung ins Regal der einzelnen Geschäfte ihrer amerikanischen und europäischen Partner, bieten. Diese Handelshäuser suchen im Bereich der Forschung nach neuen Materialien und überprüfen deren Nutzbarkeit und Unschädlichkeit, damit das verhindert werden kann, was Toys-R-Us zurzeit zu beklagen hat.
Niemand muss mit Risiken und dem damit verbundenen Gefahrenpotential, wie Toys-R-Us es im Moment zu bewältigen hat, kalkulieren. Wenn er sich nur entsprechend erfahrene und seriöse Partner für seine industrielle Produktion in Asien auswählt.
Die Zeit des simplen „Sourcings“, in der es nur darum ging, einen billigen Hersteller zu finden, ist längst vorbei. Heute gibt es in Asien viele Möglichkeiten „Market Solutions“ einzukaufen. Ich hoffe, dass der Fall Toys-R-Us ein Signal setzt und die Verantwortlichen nicht kopflos werden lässt.
Asien und China im Speziellen kann man als Lieferanten nicht einfach abstellen wie ein Fernsehprogramm und man kann auch nicht einfach „weiter zappen“ wie von einem Programm zum anderen.
SchmidPreissler wird im Rahmen der neu entstehenden „Tegernseer Gespräche“ im Januar 2008 einen ersten großen europäischen Sport-Retail-Summit veranstalten, auf dem wir eines dieser großen chinesischen Handelshäuser, das auf eine 200 Jahre alte Tradition und Geschichte schauen kann und ein Market-Solution-Haus, das aus einer alten europäischen Schuhhandelsdynastie hervorgegangen ist, vorstellen. Diese Häuser zeigen, dass es ein anderes „Made in Asia“ gibt, als das, das uns derzeit geboten wird. |