Es ist erst ein paar Jahre her, dass wir in BriefLetter unsere Vision eines Niedrigpreis-Autos vorgestellt haben, ausgehend von der Überlegung, dass es für immer mehr Menschen existenziell notwendig werden wird, sicher und bezahlbar in angemessener Zeit von A nach B zu kommen und zwar auch dann, wenn keine öffentlichen Verkehrsmittel zur Verfügung stehen.
In Deutschland sollte damals unserer Vorstellung nach so ein Auto bei uns nicht mehr als 5000 Euro, in der Zweiten Welt maximal 3000 Euro kosten. Die Sprecher der Automobilindustrie, Verbände und Vertreter anderer Industrien und Organisationen erklärten unsere Überlegungen für wirklichkeitsfremd und wurden rundweg abgelehnt.
Marktforscher stuften die Absatzchancen für ein Billig-Auto für sehr gering ein. Für ein Billig-Auto könnte das vielleicht der Fall sein, so meinten wir, nicht aber für ein Niedrigpreis-Auto und so besprachen wir unsere Vision mit unseren Freunden von Tata in Indien. Ehrlich gesagt, auch in Indien war man zunächst alles andere als Feuer und Flamme für die Idee. Auch in Indien sah man das Automobil mehr im Segment, in dem die Bedürfnisse der Menschen angesiedelt sind und weniger in dem, in dem wir alles finden, was wir dem Bedarf zurechnen. Obwohl weltweit hunderte Millionen von Menschen viel leichter Arbeit fänden, wenn es eine Möglichkeit gäbe, Entfernungen kostengünstig zu bewältigen. Und obwohl Energiekosten, Steuern und Ausgaben für Versicherungen, Unterhalt und Unterbringung immer mehr Geld verschlingen und die Verkehrsverhältnisse nur noch in sehr begrenztem Maße Freude am Fahren schenken, wollte niemand so recht daran glauben, dass unsere Vision eines Tages gegen alle Widerstände Wirklichkeit werden wird.
Lange Zeit schien das Thema dann erledigt zu sein, selbst in Indien, bis Renault mit dem Bau eines Niedrigpreis-Autos in Rumänien die europäische Automobilindustrie aufhorchen ließ. Der Erfolg, den Renault in kürzester Zeit vermelden konnte, machte mobil. Renault will bis zum Jahr 2009 eine Million seines Dacia Logan absetzen. Heute arbeiten alle Automobilhersteller der Welt an Niedrigpreis-Autos.
2008 kommen nun die Inder, Tata, mit einem Niedrigpreis-Auto für weniger als 2000 Euro auf den Markt. Zwar wird das Modell One-Lakh-Car für den europäischen Markt einige hundert Euros mehr kosten, aber, und das ist entscheidend, Tata liefert den Beweis, dass es möglich ist, ein Auto zu bauen, das auch im Jahr 2008 noch die Bezeichnung Volkswagen im wahrsten Sinne des Wortes verdient.
In einem kürzlich stattgefundenen internationalen Kolloquium der Robert-Bosch-Unternehmensgruppe präsentierten Marktforscher neue Daten zum Thema Niedrigpreis-Auto. Danach wird der weltweite Markt für Neuwagen mit einem Preis von weniger als 7000 Euro bis zum Jahr 2010 jährlich im Durchschnitt um 5 Prozent auf mehr als zehn Millionen Fahrzeuge wachsen. Der restliche Markt wird bis 2014 nur um durchschnittlich 2,3 Prozent zulegen. Robert Bosch erwartet, dass das Unternehmen 2010 bereits eine Milliarde Euro mit Teilen für Niedrigpreis-Autos umsetzen wird.
Ich denke, wir sollten bei allem Streben den Menschen immer mehr Produkte zur Befriedigung ihrer Bedürfnisse anzubieten, nicht vergessen, dass es auch darum geht, den Bedarf der Menschen zu decken. Nicht einfach mit billigen Produkten, sondern mit solchen, die bedarfsgerecht, zweckdienlich sind und ein besonders ausgewogenes Preis-Leistungsverhältnis bieten. Und dies gilt nicht nur für die Märkte der Zweiten und Dritten Welt. Nach der Sommerpause erscheint am 3. September 2007 der nächste BRIEFLETTER mit einem Aufsatz zum Thema: „Mehr Umsatz und mehr Gewinn. Die Planung für das kommende Jahr.“ Eine schöne und erholsame Sommerzeit wünscht Ihnen das BL-Team |