„Schluss mit billig“ - Ein Kommentar
BriefLetter - Issue 14/2007
Was lange währt, wird ( hoffentlich ) endlich gut. Wie im Juni in der Süddeutschen Zeitung zu lesen war, wollen die deutsche Lebensmittelindustrie und der einschlägige Einzelhandel die Lebensmittelpreise erhöhen.

Die Süddeutsche Zeitung überschreibt diese Meldung mit der Headline „Schluss mit billig“. Das scheint zunächst für den Verbraucher keine gute Nachricht zu sein und doch verheißt es letztlich Erfreuliches. Jahrelang haben sich die großen Einzelhandelsunternehmen einen mörderischen Preiskampf geliefert. Jeder wollte die noch günstigeren Angebote machen. Viele Warengruppen wurden nur noch zu Einstandspreisen und nicht selten unter Einstandspreisen angeboten. Die Industrie hat dieses ruinöse Spiel lange mitgemacht, durch Preiszugeständnisse, Promotions, durch Rabatte, deren nähere Bezeichnungen immer grotesker wurden und am Ende sogar um den Preis der Schließung zehntausender kleiner Einzelhandelsgeschäfte, den so genannten Nachbarschafts- oder Tante Emma Läden.

Skandale um den Verkauf von verdorbenen und tief gefrorenen Fleisch- und Wurstwaren brachten schließlich an den Tag, was Insider längst wussten: Die Billigpreiskonzepte des Handels wurden immer häufiger durch Manipulation hinsichtlich der Qualität finanziert. So manche Preispolitik erlaubte es eben nicht mehr, ordentliche Qualität kostendeckend und gewinnbringend herzustellen.

Während in Amerika die Haushalte 20% ihres Einkommens für Nahrungsmittel ausgeben, sind es in Deutschland nur 13%. Auch wenn man die Zahlen nicht absolut vergleichen kann, so zeigen sie doch tendenziell, dass Lebensmittel in Deutschland viel preiswerter sind. Aber, wie gesagt, die Verbraucher bezahlen den billigeren Einkauf teuer, weil sie immer weniger gute Qualitäten bekommen. Erleichtert wurde diese Entwicklung durch ein nicht mehr beherrschbares Durcheinander von Verordnungen und Gesetzen der EU. Niemand weiß mehr so recht, was erlaubt und was verboten ist. Dies erleichtert wiederum die Manipulationsmöglichkeiten in der Produktion.

Die Flucht nach vorne, nämlich die Erhöhung der Preise, ist zu begrüßen. Die Verbraucher haben ein Recht darauf, Qualität zu bekommen, so wie Industrie und Handel ein Recht darauf haben, für ihre Leistungen einen Preis zu erhalten, der die Kosten deckt und Gewinn möglich macht. Alles andere zerstört Vertrauen. Märkte leben nicht von einem ruinösen Wettbewerb.

Märkte leben von einem vertrauensvollen Miteinander aller Marktpartner. Und dazu gehört auch, dass Marktmacht nicht missbraucht wird.

Bei der Entwicklung neuer Strategien kommt es sehr darauf an, die Marktführerschaft in Bezug auf die Qualität in den Mittelpunkt aller Bemühungen zu stellen. Der Beste muss sein Geschäft nicht über den Preis machen und er braucht weder die Konkurrenz noch die Marktmacht des Handels zu fürchten. Er kann obendrein sicher sein, dass er den Verbraucher auf seiner Seite hat. So selbstverständlich dies alles klingt, vieles an dieser Wahrheit ist in den vergangenen Jahren übersehen worden oder verloren gegangen. Vor einiger Zeit war viel darüber zu lesen, dass die Deutschen Geiz für geil halten. Es war ein einfältig verbaler Werbegag, dessen erwünschte Wirkung ausblieb. Das Unternehmen, das sich mit diesem Werbespruch so dem Verbraucher anbiederte, musste kürzlich über stagnierende Umsätze berichten. Die Deutschen sind eben doch intelligenter, als manche Leute glauben und so darf man ihnen durchaus auch zutrauen, dass sie höhere Lebensmittelpreise akzeptieren, wenn eine solide Mehrleistung dahinter steht.

 
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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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