Der kürzlich zu Ende gegangene „Gipfel von Heiligendamm“ war wohl der Letzte hinsichtlich Zusammensetzung, Programm und erzielten Ergebnissen. Der Aufwand hat sich gelohnt. Veranstalter und Teilnehmer haben es verstanden, ohne Gesichtsverlust, die wahren Probleme unserer Zeit an die dafür längst existierenden Institutionen, UN und WTO, zur weiteren Behandlung und Lösungsfindung zu überweisen. Bilaterale Probleme und Themen wurden an die Staaten verwiesen, die es wirklich angeht.
Schließlich hat der „Gipfel von Heiligendamm“ uns allen auch wissen lassen, dass wir uns langsam daran gewöhnen müssen, die alten Begriffe, Erste, Zweite und Dritte Welt, abzulegen und die Welt wieder so zu nehmen, wie sie von der Schöpfung gedacht war, nämlich als eine Welt mit einer gültigen globalen Ordnung.
Ich denke auch, dass es Zeit wird, erkannte Unsinnigkeiten abzulegen. Dazu zähle ich beispielsweise das unanständige Gehabe und Getue mit der Entwicklungshilfe. Mit welchem Recht, frage ich mich manchmal, geben wir Entwicklungshilfe an Länder, die die Europäer Jahrhunderte lang ausgebeutet haben, statt mit diesen Ländern zu teilen? Warum reden wir ständig darüber, dass Größe die einzige Einheit ist, um den globalen Wettbewerb zu meistern, statt uns einzugestehen, dass jede Art von Wettbewerb nur eine Auseinandersetzung zwischen gut und besser ist? Warum mäkeln wir ständig an Politikern herum, bezichtigen sie der Unfähigkeit und Unsolidität, des Machthungers und der Geldgier und sind doch so abstinent, wenn wir selbst gerufen werden, der Gesellschaft zu dienen? Wir können in unserer Gier nach Energie, Gas und Öl über Tausende von Kilometer transportieren, keine Frachtrate ist uns dabei zu hoch. Aber wir sind nicht in der Lage unsere überquellenden Lebensmittellagerbestände dorthin zu bringen, wo Hunger und Durst die Menschen quälen.
So, wie wir gelernt haben, dass Kriege nicht mehr mit Waffengewalt zu gewinnen sind und wir heute wissen, dass Wissen die nachhaltigste Ressource zur Schaffung von Wohlstand ist, so begreifen wir, wovon ich überzeugt bin, dass nicht andere, schon gar nicht auf einseitige Interessen ausgerichtete Institutionen, sondern nur wir selbst, will sagen, jeder einzelne von uns seinen Beitrag leisten muss, damit eine globale Ordnung funktionieren kann.
Was hat das alles mit der Entwicklung und Umsetzung von Unternehmensstrategien zu tun? Viel, sehr viel! In dem wir erkennen, dass die Welt durch die Globalisierung ihr ursprüngliches Gesicht wieder bekommt, frei von willkürlich gezogenen Grenzen, frei von Zäunen, die Menschen am Fortkommen hindern und die es möglich machen sie einzusperren. Indem die Welt transparent und heller wird, erkennen wir auch, welch großartige Chancen sie uns bietet, mit unserem Wissen erfolgreich zu sein. Eine offene Welt stärkt uns in unserer Arbeit, macht diejenigen klein, die den Wettbewerb scheuen, die ständig vom Kampf um Marktanteile reden, die zu tricksen versuchen, weil sie nicht glauben wollen, dass einzigartige Leistungen ausreichen, um erfolgreich zu sein und dass die meisten Unternehmen in der Lage sind, solche Leistungen zu erbringen.
Wir müssen die Entwicklung neuer Unternehmensstrategien an unserem Selbstvertrauen und unserer Fähigkeit, Größe aus unserer Einzigartigkeit zu schöpfen, festmachen. Wie das geht? In dem wir Überholtes über Bord werfen und untergehen lassen. Die G8-Staaten haben das in Heiligendamm getan und so vielleicht doch noch einen Sieg errungen. |