Eins und Eins ist Drei. Oder?
BriefLetter - Issue 11/2007
Vor schnell und großzügig rechnenden Investoren sei nachdrücklich gewarnt. Im Moment scheint wieder einmal vieles beinahe überzukochen. Investoren und Aufkäufer sind unterwegs, um beinahe alles zu kaufen, was nicht niet- und nagelfest ist. Als ob die Ausflüge der schwäbischen Autobauer in die große weite Welt nicht eindrucksvoll genug demonstriert hätten, dass Geld mitunter schneller ausgegeben als eingenommen ist. Und, dass die Summe aller Einzelteile mitunter eben doch nicht mehr ist als das Ganze.

Wenn der Markenwert beim Kauf oder Verkauf von Unternehmen mit im Spiel ist, scheint die Ausgabefreudigkeit kaum noch Grenzen zu kennen. Es gibt natürlich einen Mangel an wirklichen Marken. Marken, in deren Pass die sieben Elemente, Herkunft, Geschichte, Profil, Positionierung, Bekanntheit, Image und Schutz eingetragen sind, machen unserer Ansicht nach einen Namen erst zur Marke. Dieser Mangelzustand sollte aber niemanden veranlassen, zu übersehen, dass sich am Ende des Tages alles rechnen muss. Wer für ein Unternehmen oder eine Marke mehr bezahlt, als der tatsächliche Wert ausmacht, wird sehr schnell an den Punkt kommen, an dem das unverantwortliche und Werte zerstörende Sparen einsetzt.

Eins und Eins ist Zwei. Und niemals Drei! Richtig ist, dass es enorm viel Geld gibt auf der Welt und dass immer mehr Geld in Anlagen drängt. Dies aber sollte gerade dazu führen, das Geld sorgfältig anzulegen, weil nur so Erträge erwirtschaftet werden können, die neben dem Zins auch Vertrauen schaffen, eine unabdingbare Voraussetzung für dauerhaft solide Geldmärkte.
 
Wer glaubt, man kann zu hoch bezahlte Kaufpreise durch Sparmaßnahmen erfolgreich korrigieren, der irrt sich. Viele Erwartungen in heute getätigte Unternehmenskäufe werden wie Seifenblasen zerplatzen und mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen. Der Abbau von Arbeitsplätze, das Rütteln an Qualitätsstandards, reduzierte Investitionen in den Markt, in die Forschung und andere Maßnahmen, um kurzfristig Ergebnisverbesserungen vorzeigen zu können, schlagen irgendwann in schrecklicher Weise ins Gegenteil um. Was haben Aufkäufer und Investoren in den vergangenen Jahren nicht alles versprochen und wie viel davon hatte wirklich Bestand. Um nochmals auf die schwäbischen Autobauer zu kommen. Die Erfolge, die nach dem Einstieg in das amerikanische Unternehmen erzielt wurden, hielten keine zehn Jahre. Und all die Sparmaßnahmen, derer sich übrigens auch die Konkurrenten rühmen, haben unter anderem dazu anderem dazu geführt, dass in der Zuliefererindustrie Unternehmen reihenweise vor dem Ruin stehen.

Es wird heutzutage viel von der Corporate Governance gesprochen. Wohlgemerkt, gesprochen. Würden ihre Protagonisten es wirklich ehrlich meinen, müssten Sie darauf bestehen, dass die von ihnen ausgedachten Verhaltensregeln ganz besonders beim Kauf und Verkauf von Unternehmen eingehalten werden.

Die Politik hat in jüngster Zeit versucht, speziell in die Geschäftsgebaren der Hedge Fonds Licht zu bringen. Vergeblich. Sollte nicht gerade diese Tatsache Anlass genug sein, wenigstens in jedem Einzelfall mit den Mitteln des gesunden Menschenverstandes und eines einfachen Taschenrechners Unternehmenswerte durchzurechnen? Wir könnten uns alle viel Sorgen ersparen. Denn 1+1=2!

 
SchmidPreissler SchmidPreissler Strategy Consultants


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