Nicolas Sarkozy - Eine Chance für Europa
BriefLetter - Issue 11/2007
Ja, ich denke der gerade gewählte französische Staatspräsident ist eine Chance für Europa. Vielleicht wird er sogar zum Glücksfall für Europa. Ich schreibe das, obwohl mir klar ist, dass er es den Europa-Politikern, speziell den deutschen, nicht leicht machen wird, denn er wird mit Nachdruck französische Interessen vertreten und versuchen sie durchzusetzen und er wird den Träumern in Sachen Europa viele Illusionen nehmen.

Aber gerade deshalb ist die Wahl der Franzosen für mich von großer Bedeutung und ich begrüße es, dass Sarkozy die Wahl gegen die sozialistische Kandidatin gewonnen hat. Die Richtungszuweisungen Rechts und Links spielen dabei für mich keine besondere Rolle. Sie sind in meinen Augen heute nicht mehr so wichtig, weil diejenigen die sich rechts oder links einordnen, ohnehin in aller Regel in der Mitte Platz nehmen. Wir haben heute in Deutschland, wenn ich das cum grano salis sagen darf, auch eine Bundeskanzlerin, die gerne mal in einem schwarzen Blazer mit einem roten T-Shirt drunter, auftritt. Im Wahlkampf gehaltene scharfzüngige Law and Order Reden hören sich nach der Wahl ohnehin gemäßigter an und lassen in einem demokratischen Staatswesen in aller Regel diesbezüglich „die Kirche im Dorf“.

Dass Europa mit und durch Sarkozy französischer wird, finde ich deshalb gut, weil dadurch meiner Meinung nach Kultur und Geschichte der europäischen Völker nicht verdrängt werden. Kultur und Geschichte sind der Nährboden für ein Zusammenleben der Menschen und sie sind gleichzeitig die Kraft, mit der wir den Wettbewerb mit den aufkommenden neuen Supermächte im Osten und den Amerikanern im Westen erfolgreich bestreiten können. Wir dürfen nicht auf die falschen Europa-Eiferer setzen, die uns klar machen wollen, dass aus Europa nur etwas werden kann, wenn wir bereit sind unsere Identität bedingungslos an den Nagel zu hängen. Ich denke, wir Bayern haben das in Deutschland gut gemacht. Wir sind mit Leib und Seele Deutsche, wir haben uns mit Preußen und Badener, mit Westfalen und Holsteinern, mit Sachsen, Thüringern und anderen zu einem Deutschland zusammengefunden und doch unsere Identität als Bayern über alle Zeiten hinweg bewahrt.

Sarkozy wird uns zeigen, dass man Franzose und Europäer sein kann und wenn ich sage, Europa wird durch Sarkozy französischer werden, dann meine ich, dass er uns zeigen wird, wie er auf seine Weise Herkunft und Zukunft verbinden will.

Wirtschaftlich heißt das, wir werden, ohne, dass man uns sofort unterstellt, wir seien nicht europafreundlich und europagesinnt, das Deutsche, Italienische, das Griechische und Slowenische und natürlich das Französische und alles, was die Menschen in den übrigen europäischen Staaten erzeugen und anbieten, entsprechend bezeichnen können. Wir brauchen kein „Made in Europe“, um auch als Europäer unserer Aufgaben gerecht zu werden. Die Einstellung Sarkozys zu Europa macht Mut. So gesehen, ist er für Europa eine Chance und vielleicht sogar ein Glücksfall.

 
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