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Selten waren Wirtschaftsinstitute, Markt- und Trendforscher, Politiker und ihre Sherpas ratloser als zurzeit. Natürlich können und wollen sie das nicht zugeben und deshalb decken sie uns mit Zahlenwerken und Ursachenanalysen so zu, sodass wir praktisch täglich nicht etwa plausible Erklärungen in den Medien lesen, sehen und hören, sondern immer neue unverständliche Aussagen und Kommentare zur Kenntnis nehmen müssen.
Die so genannten „Wirtschaftsweisen“ reden, ohne rot zu werden, von einem Quartal zum anderen, von Veränderungen in der Größenordnung von mehr als 60 Prozent, wenn es um das künftige Wachstum der deutschen Wirtschaft geht. Einmal prognostizieren sie ein Wachstum von 1,5 Prozent und dann plötzlich von 2,4 Prozent. Wer soll das alles noch ernst nehmen?
Tatsächlich geht es der deutschen Wirtschaft so gut wie lange nicht mehr. Die Politiker schreiben sich den Erfolg natürlich auf ihre Fahnen, obwohl jedermann weiß, dass Veränderungen, die die Politik auslöst, keineswegs von heute auf morgen ein Land vom Schlusslicht der Liste der europäischen Länder in Bezug auf das Wirtschaftswachstum auf die vordersten Ränge katapultieren kann. Den Markt- und Trendforschern fehlt die Macht wirklich etwas Entscheidendes zu tun, damit die konjunkturelle Sonne die dicken Wolken des allgemeinen Pessimismus durchbricht. Auch die zahn- und kraftlosen Gewerkschaften haben nicht viel dazu beigetragen. Was also hat die Wende in Deutschland gebracht? Warum geht es den Deutschen und der deutschen Wirtschaft plötzlich so gut?
Wirtschaft ist 50 Prozent Leistung und 50 Prozent Psychologie. Ich denke, dieses Verhältnis trifft sehr genau auf die derzeitige Situation in Deutschland zu. Die Deutschen waren es leid ständig und von alle Seiten nur Wehklagen zu hören und selbst als ein Volk der Jammerer dazustehen. Im Ausland hatte man ohnehin kein Verständnis mehr für ein Land, das einen Großteil seiner Kraft darauf verwendete, sich selbst zu bedauern, statt sich auf seine Stärken zu besinnen und zu neuen Zielen aufzubrechen. 50 Prozent Psychologie, das war der Motor, der die Deutschen wieder auf die Straße des Erfolges zurückbrachte. Keine Frage, die deutsche Kanzlerin hat eine Art Kickstarterfunktion ausgeübt und sozusagen die Deutschen angeschubst, jetzt auf das Gaspedal zu treten und loszulegen. Die Fußballweltmeisterschaft und der Papstbesuch taten ein Übriges. Was den Deutschen auch gut angetan hat und sie in gewisser Weise auch motivierte, war der positive Eindruck, den sie im Ausland auf die Menschen machten. Es entstand Freude darüber, dass die Welt die Deutschen nach Jahrzehnten vorsichtiger und zurückhaltender Beurteilung plötzlich so zur Kenntnis nahmen, wie sie eigentlich sind, offen und freundlich, leistungsstark und zuverlässig. All das rief ein neues Selbstwertgefühl hervor und führte schließlich dazu, dass die Deutschen wieder zu ihren Vorbildfunktion zurück fanden. Nichts feuert Menschen mehr an, als Anerkennung und das gilt ganz besonders für die Deutschen. „Du bist Deutschland“ sagte eine Werbekampagne. Ich habe nicht verstanden, warum man diese Kampagne so sehr kritisiert hat, denn für mich ist der Kern dieser Kampagne genau die Botschaft, die die Deutschen brauchten, um sich selbst den berühmten Ruck zu geben, von dem der Altbundespräsident Herzog vor einigen Jahren sprach.
Was lernen wir daraus? Für jeden wirtschaftlichen Erfolg braucht man Menschen, die mitziehen. Geld spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Menschen, die an sich glauben und einander vertrauen, können immer noch Berge versetzen. Darüber sollten wir uns alle freuen. |