Luxus ist alles andere als überflüssig
BriefLetter - Issue 07/2007
Ist es wirklich so, dass Luxus nichts anderes ist als Verschwendung, nur zum Vergnügen betriebener Aufwand, sinnlose Pracht und Herrlichkeit? Wäre die Welt besser ohne Luxus und könnten wir nicht mit dem Geld, das wir für Luxus ausgeben die schier grenzenlose Armut in der Welt eindämmen oder gar beseitigen?

Das Thema Luxus ist zurzeit eines der Lieblingsthemen der Medien. Es vergeht kein Tag ohne Berichte über das Thema Luxus und die vielen Menschen, die sich damit in Verbindung bringen lassen. Dient der Luxus eventuell nur als Mittel zum Zweck, um in der Öffentlichkeit Aufsehen zu erregen oder die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken? Sicherlich gibt es immer wieder Beispiele in den Medien, die uns zeigen, dass die „luxuriöse Welt des Glamours“ ihre Wirkung nicht verfehlen. All das lässt den Schluss zu, dass Luxus vielleicht doch völlig überflüssig ist.

Ich meine, dass Luxus ganz und gar nicht überflüssig ist. Ich sehe in ihm die Triebfeder für ein gesundes Anspruchsdenken der Menschen und er stellt eine ständige Herausforderung dar, die Qualität von Konsumgütern aller Art zu steigern. Luxus hat Vorbildcharakter, Luxus fördert das Bedürfnis der Menschen nach Eigenständigkeit, Luxus erhält das Gespür und den Wert des Einzigartigen.

Luxus ist keine Frage des Preises. Wir wissen längst, dass ein Waldspaziergang mehr wert sein kann als eine Spazierfahrt mit einem Ferrari. Ein Glas Landwein aus der Toskana mehr bedeuten kann als ein Jahrgangschampagner. Luxus ist die Befriedigung eines Bedürfnisses, das Stillen einer Sehnsucht, die den Menschen glücklich machen und da muss es eben nicht immer Champagner sein! Luxus, wie ich ihn verstehe, ist geprägt von der eigentlichen Unabhängigkeit, mit der die Menschen sich Wünsche erfüllen und Träume manchmal wahr werden lassen. Luxus verwandelt den vom Lifestyle geprägten Konsum zu einer erfüllten Konsumkultur, die der Qualität einer Lebenskultur gleichkommt.

Luxus ist originär und wir sollten ihn deshalb zu einem zentralen Thema machen, wenn wir uns um neue Strategien bemühen. Luxus ist Mangel und wenn wir ihm aufgrund dieser Einschätzung auf der Fährte sind, dienen wir den Menschen und der Wirtschaft. So können wir Neues hervorbringen, die Innovationskräfte in den Unternehmen antreiben, die Kreativität herausfordern und fördern, dem Wettbewerb die Eintönigkeit und die Spiegelfechterei mit vermeintlich billigen Preisen als zentrales Thema nehmen, der Kommunikation zur Förderung des Absatzes und zur Schaffung neuer Märkte wirkliche Inhalte mit Aussagekraft geben.

Die Märkte leiden unter zu vielen Me-Too-Produkten. Die Menschen, insbesondere in den gesättigten Märkten der Ersten Welt, sehnen sich nach Produkten, die ihnen die Möglichkeit geben, sich zu verwirklichen und ihr Sein zu unterstreichen.

Luxus als Ideengeber bereichert, ohne Reichtum zur Voraussetzung zu machen, und dynamisiert die Märkte und ist deshalb keineswegs überflüssig. Im Gegenteil, wir brauchen ihn als Nährboden für Neues.

 
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