50 Jahre Europäische Union
BriefLetter - Issue 07/2007
Um es gleich vorweg zu sagen, ich habe eine absolut positive Einstellung zu Europa, wobei ich, wie könnte es bei meinem eher konservativ geprägten Weltbild anders sein, wenn ich „mein Europa“ vor Augen habe, das „Europa der Vaterländer“ sehe, das einst Charles de Gaulle als das Europa mit Zukunft zu verwirklichen suchte.

Die weniger als 24 Stunden dauernde Jubelfeier zum 50. Geburtstag der Europäischen Union und das sorgfältigst austarierte Kommunique haben schon erkennen lassen, dass selbst den der Zeit vorauseilenden und von vielen Illusionen geplagten Politikern das auf dem Papier stehende Europa nicht mehr ganz geheuer ist. Nicht etwa, weil eine politische und wirtschaftliche Union der europäischen Länder nicht Sinn machen würde, sondern weil sich doch langsam die Erkenntnis durchsetzt, dass speziell auf dem wirtschaftlichen Gebiet ein Europa ohne Erhalt und Pflege kultureller und regionaler Eigenheiten nicht verwirklichbar ist. Dazu bedarf es vieler Freiheiten, die jedoch seit Jahren von der Brüsseler Administration nicht eingeführt und gefördert werden, sondern durch eine Flut von Restriktionen und Vorschriften eher immer noch behindert, um nicht zu sagen, verhindert werden.

Ich denke, Europa hat eine Chance, wenn es ein Kontinent der Vielfalt bleibt und wenn diese abgestimmt ist auf die wunderbare Einzigartigkeit des Individuums, das wir als Geschenk der Schöpfung sehen und achten sollten.

Wenn es mit Europa etwas werden soll, muss der Aufbau von einem Abbau der täglich neu entstehenden Hindernisse begleitet werden.

Herkunft und Geschichte, Profil, Positionierung, Bekanntheit und Image der in Europa entwickelten und produzierten Güter sind zu fördern und es ist ihnen ein entsprechender Schutz zu gewähren. Den Unternehmen muss die Arbeit erleichtert und nicht ständig erschwert werden. Die Politik muss nachdrücklich die kontraprodukive Arbeit der Brüsseler Administration eindämmen.

Die Menschen in Europa sind Individualisten und genau darin liegt ein großer und wahrer Wert Europas. Darauf einzugehen ist eine Chance, die, wenn sie genutzt wird, auch zu einer exzellenten Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Erzeugnissen aus Fernost führt. Speziell in diesem Punkt muss die Politik ihre Administration in Brüssel in Schranken verweisen. „Made in Schottland“, „Made in Italy“, „Made in Germany“ usw. gilt es zu fördern und zu schützen: Champagner aus der Champagne, reines Bier aus Bayern und handwerklich gefertigte Uhren aus der französischen Schweiz. Europa ist ein Premiummarkt. Und als solcher natürlich offen, auch für die übrige Welt. Er darf nicht abgeschottet sein.

Die Chance Europas über die Vielfalt zur Einheit zu kommen und in der Einheit dann auch stark zu sein, ist auch die Chance eines jeden europäischen Unternehmens. In diesem Geist sind die künftigen marktorientierten Unternehmensstrategien zu schreiben und umzusetzen. Wenn wir uns diese Einstellung zueigen machen, wird der Erfolg nicht ausbleiben und Europa am Endes des Tages der Politik dankbar sein.

 
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