Der persönlich geführte Einzelhandel erlebt weltweit eine Renaissance
BriefLetter - Issue 06/2007

Gewiss, der Einzelhandel wie wir ihn aus der Zeit des 19. Jahrhunderts und der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kennen, ist mehr oder weniger tot. Weltweit. Der so genannte „Gemischtwarenladen“ oder „Tante-Emma-Laden“, wie wir Deutschen zu sagen pflegen, der Laden, in dem es alles, was der Mensch zum täglichen Leben braucht, gibt, hat ausgedient.

 Größe spielt dabei keine Rolle. Das Kaufhaus, der große Gemischtwarenladen und das Versandhaus mit einem Katalog in Bibelstärke haben ebenso ausgedient wie der kleine Kolonialwarenladen, dessen Duft, einer Mischung aus Sauerkraut aus dem Fass und frischgeröstetem Kaffe, uns aus Kindertagen immer noch in der Nase steckt.

In gewisser Weise entwickelt sich der Handel zurück. Vergleichbar mit einem Handel wie vor Jahrhunderten, als man unter dem „Markt“ noch den Markt auf den zentralen Plätzen in Städten und Dörfern verstand und der Handel nicht das große Sortiment, sondern das Spezielle anbot. Auf den Bauernmärkten der ganzen Welt ist es heute noch so. Dort stehen die Bauersfrauen mit ihren Gänsen und dem Gemüse aus dem Hofgarten, der Bäcker mit seinem Brot und der fliegende Händler mit Gewürzen oder einfachen Textilien. Die Spezialisierung beherrscht das Bild. Genau in dieser Spezialisierung liegt die Renaissance, die ich meine, die das persönlich geführte Einzelhandelsgeschäft wieder aufleben lässt, wobei heute der Marke die entscheidende Rolle zukommt.

Das Franchiseprinzip ist der Nährboden einer Renaissance des persönlich geführten Einzelhandels. Weltweit und in allen Branchen. Von McDonalds an Highways und Autobahnen bis hin zu allen Luxusmarken der Modewelt in den neuen Einkaufserlebniswelten auf den Flugplätzen von Dubai bis London und in den Factory Out lets der Ballungszentren. Und auf dem flachen Land und in kleinen Städten, wo die vertikale Distribution der Hersteller den Kunden nicht direkt erreicht.

Diese Entwicklung beschränkt sich aber keineswegs auf den Handel mit Konsumgütern. Maschinenhersteller, klassische B2B-Strukturen, Werkzeuge und Baumaterialien, Versicherungen und Autos, um nur einige Beispiele zu nennen, werden heute in partnerschaftlichen Strukturen mit geteiltem Risiko und geteilten Gewinnchancen zwischen Erzeugern und Verkäufern vor Ort vermarktet.

Dass diese neue „alte“ Form des Handelns, hauptsächlich in den Premium-, PremiumEconomy und Luxussegmenten der Märkte blüht, drängt sie keineswegs in ein Nischendasein. Im Gegenteil, diese Segmente sind die großen Segmente der Zukunft, weil das Economysegment, also das Segment, in dem allein der Preis regiert, eher an Bedeutung verliert. Problemlösungen und Service sind wieder gefragt und die Marke wird als Wertegarant immer wichtiger.

Franchising als Basis für den persönlich geführten Einzelhandel ist für alle Beteiligten eine Win-Win-Situation. Professionelles Marketing, kosteneffiziente Kommunikationsprozesse und die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Partner verschaffen dem Einzelhändler einen Vorsprung gegenüber seinem herkömmlich arbeitenden Konkurrenten, ohne die Vorteile einer Selbstständigkeit zu verlieren. Der Hersteller hat im Franchisesystem einen „Selbstständigen“, einen von der Unternehmeridee geprägten Partner. Diese neue „alte“ Idee Form des Handels kommt beim Kunden gut an.

Der markenorientierten Spezialisierung im persönlich geführten Einzelhandel gehört die Zukunft. Eine Zukunft, die bereits begonnen hat. Hersteller und Handel sollten die Verbreitung der markenorientierten Spezialisierung forcieren und eine sinnvolle und machbare Weiterentwicklung vorantreiben. Ein persönlich geführter Einzelhandel kann die besten Serviceleistungen hinsichtlich des Produktes und eine optimale Kundenbetreuung bieten.

 
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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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