Markenimperium rüstet gegen den Einzelhandel …
BriefLetter - Issue 02/2005
schreibt Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 30.1.05

Kommentar zur Fusion Procter & Gamble und Gillette von F.M.Schmid-Preissler SchmidPreissler Strategy Consultants

Im Marketing bedient man sich gerne der Sprache des Militärs, fühlen sich doch Unternehmer häufig als Feldherren und Nachkommen des großen Generals und Militärschriftstellers Carl von Clausewitz, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit seinem Standardwerk „Vom Kriege“ und seinen Definitionen von Taktik und Strategie vieles zu Papier brachte, was heute noch Gültigkeit hat.

Allerdings, und das sollten Marketingleute bedenken, die praktische Kriegsführung in unseren Tagen hat nur noch wenig mit der des 17. und 18. Jahrhunderts gemein. Die riesigen Heere und die großen Aufmärsche sind anderen Techniken der Kriegsführung gewichen, und so kann man auch für das Marketing sagen, dass Größe allein nicht das Entscheidende ist. Gewiss, der Handel stellt weltweit eine Einkaufsmacht dar, die zu unterschätzen ein grober Fehler wäre. Diese Macht allerdings mit einem Rennen nach Größe brechen zu wollen, erscheint mir wenig chancenreich zu sein.

Solange die Hersteller Produkte und Marken anbieten, die der Verbraucher verlangt und die sich nicht in die Rubrik „Me-Too“ einordnen lassen, müssen sie nicht nervös werden, wenn ihre Handelspartner größer als sie selbst sind.

Die Hersteller müssen wissen, dass der Handel am längeren Hebel sitzt. Es sind besonders die global operierenden Handelskonzerne, deren Ansehen und Goodwill beim Verbraucher es durchaus möglich machen, ihr Privat Label Angebot weiter auszubauen. Vor den Türen ihrer Kontore stehen genügend kleine, mittlere und spezialisierte Anbieter, die dafür sorgen, dass kein Regal leer bleibt. Und noch etwas gilt es sich ins Bewusstsein zu rufen: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel, auch die des Handels nicht. Der von P&G und Gillette in Amerika so gefürchtete Wal-Mart hat in Deutschland immer noch nicht Fuß gefasst. Außer einem häufigen Managerwechsel und Verlusten in Millionenhöhe lesen wir relativ wenig über dieses Unternehmen.

Oetker, Unilever, Nestle, Danone, Ala und wie die Unternehmen auch heißen mögen, zu empfehlen sich zusammenzuschließen, ist purer Nonsens. Ungeachtet kartellrechtlicher und anderer Hindernisse würde der Versuch, großer Hersteller es P&G und Gillette gleichzutun, Wal-Mart, Aldi, Lidl, Carrefour, Ahold und Rewe keinen Euro weniger Umsatz und keinen Punkt weniger Spanne bringen. Überhaupt ist es unsinnig, auf diese Art gegen den Handel zu rüsten.

Starke Marken, ein Vertrauensverhältnis mit dem Verbraucher, ein exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis und eine intelligente selektive Distribution sind die besten Voraussetzungen für einen Platz im Regal. Und wenn schon soviel von Macht die Rede ist, dann meine ich, ist der Mächtigste der, der den Verbraucher auf seiner Seite hat.

 
SchmidPreissler SchmidPreissler Strategy Consultants


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