Wenn die Konjunktur sich weiter gut entwickelt
BriefLetter - Issue 01/2007
Das Jahr 2007 scheint weltweit ein gutes Jahr zu werden. Der Welthandel wächst, die Nachfrage nach Investitionsgütern steigt und auch der Konsum wächst, sogar in Ländern der Zweiten und Dritten Welt. Es ist seitens der Weltbank die Rede davon, dass die Armut in der Welt erstmals in wahrnehmbarem Umfang etwas abnimmt.

Vorausgesetzt natürlich, es kommt zu keinen welterschütternden Katastrophen. Mit anderen Worten, mit ein wenig Glück können wir mit Wachstum rechnen. Diese durchaus positive Perspektive sollte allerdings nicht dazu führen, sich in Hinblick auf die Wachstumschancen sofort wieder in sich gegenseitig übertrumpfende Prognosen zu versteigen, auf die Schnelle Vorgaben nach oben zu korrigieren, wohl überlegte, langfristig angelegte Planungen über den Haufen zu werfen und einer guten Presse wegen, vielleicht früher vorsichtig gesetzte Ziele voreilig zu revidieren.

Wenn eine steigende Nachfrage tatsächlich den Himmel etwas aufhellt, die Sorgen um die Zukunft weniger drückend macht, statt Stellenabbau Neueinstellungen erlaubt, Arbeitnehmer und Investoren gleichermaßen an guten Gewinnen teilhaben lässt, dann sollten wir der Entwicklung von Strategien und dem Streben nach Qualität in einem konservativen Sinne, soviel Raum wie irgendwie möglich einräumen. Ich will damit nicht sagen, dass in der letzten Zeit das Thema Qualität keine Rolle mehr spielte. Wir wären uns selbst gegenüber aber auch nicht ehrlich und wahrhaftig, wollten wir in Abrede stellen, dass es Probleme gab und gibt. Das ständige Drängen, Kosten zu senken, die Margen für den Handel zu erhöhen, damit er immer neue Preiskämpfe entfachen konnte, gesetzliche Auflagen zu erfüllen und der Fluch des ungebührlichen Shareholder Value, hat den Qualitätsgedanken arg ramponiert. Autos aller Hersteller wurden in jüngster Zeit zu Zehntausenden in die Werkstätten gerufen, weil Qualitätsmängel die Fahrsicherheit bedrohten, Brandgefahr drohten hunderttausenden Laptops, die Lebensmittelindustrie ist so sehr von Skandalen überzogen, dass die Verbraucher kaum noch Vertrauen in die Qualität von Lebensmitteln haben.

Es ist an der Zeit, Qualität und Wahrhaftigkeit zusammenzuführen und die Wahrhaftigkeit nicht abgekoppelt aus unserem gelebten Vokabular zu lassen. Ich rate dazu, den originären Qualitätsgedanken mit den Wachstumschancen untrennbar zu verknüpfen und dafür, wenn notwendig, auch einen entsprechenden Preis einzufordern.

Und noch etwas liegt mir sehr am Herzen: Reden wir wieder über Qualität. Über Qualität zu reden ist nicht altmodisch, es bedeutet nicht Zeit zu vergeuden und es ist auch nicht überflüssig, weil Qualität doch eigentlich selbstverständlich ist.

In dem wir über Qualität sprechen, entdecken wir auch wiederum unsere, ich möchte sagen angeborene Beziehung zu allem, was im besten Sinne werthaltig ist. Ich sage „angeborene Beziehung“, weil ich meine, Qualität hat ihre Wurzeln in unserer eigenen Kultur. Das Gespür für Qualität ist nicht ausgelöscht und zerstört. Es wurde vielleicht in den vergangenen Jahrzehnten durch den in der Ersten Welt herrschenden Überfluss verdrängt. Wir können den Wert der Qualität jedoch wieder entdecken. Dass das Geld kostet, ist klar, aber der Kunde wird den Preis für Qualität bezahlen, insbesondere, wenn die anziehende Konjunktur mehr Geld in die Haushaltskasse bringt und wenn die „Verkäufer“ nicht aus Angst vor der eigenen Courage in Bezug auf die Preisbildung zu sehr einen Upgradingprozess bremsen. Mehr Mut ist in jeder Hinsicht gefragt. Wer die Chance in Zeiten guter wirtschaftlicher Konjunktur nutzt, wird ein Gewinner sein. Hersteller, Handel und Verbraucher gleichermaßen.

 
SchmidPreissler SchmidPreissler Strategy Consultants


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