Zeitlich begrenzt verfügbares Kapital schadet langfristig mehr als es nutzt.
BriefLetter - Issue 21/2006
Manchmal hat man den Eindruck, nicht Meere umspülen die Kontinente, sondern Geld. Für Unternehmen werden Summen bezahlt, die in Jahrzehnten nicht verdient werden können, Synergieeffekte hin oder her.

Offensichtliche Zeichen für Werteraub und Beutezüge von anlegewütigen Investoren werden ignoriert oder als substanzlos abgetan. Wir erleben zurzeit geradezu einen Übernahme- und Aufkaufrausch. Es stört kaum jemanden, so macht es jedenfalls den Eindruck, dass dabei wirtschaftliche Vernunft und kaufmännisches
Verantwortungsgefühl bedenkenlos beiseite geschoben werden.

Es sollte uns schon besorgt machen, dass die Geldströme immer mehr von Leuten bestimmt werden, die zwar davon etwas verstehen mögen, wie man Geld auf die Schnelle vermehren kann, aber nichts oder nur wenig davon verstehen, wie sich Märkte für Unternehmen sichern oder erobern lassen. Nicht einmal der liebe Gott weiß, wie man gleichzeitig Sozialwohnungen in Deutschland bauen, Stahl in Indien, Coltan in Afrika und Kekse in Amerika produzieren und verkaufen kann. Wie sollen es dann Investmenthäuser wissen? Der Verweis auf lange Listen branchenkundiger Berater in den Boards mag zwar Eindruck machen, aber ob sie auch überzeugen, muss dahingestellt bleiben.

Ich behaupte, zeitlich begrenzt verfügbares Kapital, das in aller Regel bei Übernahmen und Aufkaufaktionen eingesetzt wird, schadet langfristig mehr als es nutzt. Warum? Weil es die Politik der Unternehmen für Mitarbeiter und die Partner im Markt eben auch nur zeitlich begrenzt berechenbar macht. Dies ist oftmals für das Fortkommen im Markt von Nachteil.
Kritiker solcher Gedanken führen ins Feld, dass die Märkte heute schnell bedient werden wollen und einem ständigen Wandel unterworfen sind. Das ist richtig, aber gerade deshalb müssen Unternehmen so angelegt und fundiert sein, dass sie den Stürmen, denen die Märkte ausgesetzt sind und die sie ständig durcheinander wirbeln, gewachsen sind. Mit Managern, die sich darauf verstehen „auf- und auszuräumen“, ist das nicht zu machen. Auch der Markt will berechenbare Partner haben. Die Manie, Unternehmen „börsenreif“ zu machen, ihnen Geld zuzuführen, das man aber in wenigen Jahren „vergoldet“ zurück haben möchte, ist in den meisten Fällen nur wenig dienlich. Auch wenn es sich um „kranke“ Unternehmen handelt, sollte man mit der Versorgung mittels „schnellen“ Geldes vorsichtig sein.

Ich empfehle immer wieder, wenn darum geht, ein wertvolles Unternehmen mit Hilfe von außen sichern zu müssen, Branchenlösungen zu suchen. Das heißt, in erster Linie Partner zu suchen, die marktkundig und bereits marktetabliert sind. Ich bin in diesem Zusammenhang für Strategische Allianzen, Marktgrenzen überschreitende Zusammenschlüsse, Allianzen in Teilbereichen wie Forschung und Entwicklung, arbeitsteilige Produktionsprozesse und gemeinsame Serviceeinrichtungen.

Ich bin aber auch dafür, dass man vor jeder Lösung, die Außenstehende mit einbezieht, erst einmal vorhandene Ressourcen freilegt, wobei für mich hier ganz besonders die schlummernden ungenutzten Humanressourcen eine Rolle spielen. Der Mensch kann schließlich immer noch mehr bewegen als das Geld.

Die Gedanken, die ich hier niedergeschrieben habe, teilte ich kürzlich einem Unternehmer mit, der unseren Rat als Strategieberater zum Thema „Aufnahme eines Investors“ suchte. Im ersten Moment war die Reaktion auf unseren Rat eher zurückhaltend, als wir dann aber mit der konkreten Prüfungsarbeit begannen, fanden wir schnell den gemeinsamen Nenner und die Basis für die Zukunft ohne das Unternehmen in fremde Hände geben zu müssen.

 
SchmidPreissler SchmidPreissler Strategy Consultants


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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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