Chartverbrämte Präsentationen können die Gewichtigkeit der Inhalte nicht ersetzen.
BriefLetter - Issue 20/2006
Vielleicht denken Sie als Leser bei dieser Überschrift, dass es sich hier doch um eine Selbstverständlichkeit handelt. Dem ist jedoch nicht so. Die von der Elektronikindustrie heute angebotenen Produkte, früher als Hilfsmittel für Vortragende gedacht, rücken immer häufiger ins Zentrum des Geschehens.

Ich will keineswegs den Verdacht aufkommen lassen, dass die Gestalter von Präsentationen substanzielle Mängel mit Hilfe schöner Charts zu überdecken versuchen. Dennoch möchte darauf aufmerksam machen, dass die technischen Möglichkeiten einer Präsentationserstellung hinsichtlich der Bild- und Textabfolge zu einer Oberflächlichkeit der behandelten Inhalte führen kann, die zwar nicht gewollt ist, die die Substanz der Vorträge oder Präsentationen jedoch hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit stark zu beeinträchtigen vermag. Oftmals enthalten Vorträge und Präsentationen zu viele einzelne Punkte, deren Inhalte in der Darstellung durch eine Flut von Charts verarbeitet werden.

  1. In erster Linie sollte man versuchen, die Zahl der Vorträgen und Präsentationen zu reduzieren. Ebenso die Zahl der Meetings und Konferenzen. Meetings sind ohnehin in aller Regel Konferenzen von untergeordneter Bedeutung und somit ist ihre tatsächliche Notwendigkeit sorgfältig zu prüfen. Unsere japanischen Partner haben übrigens vor Jahren bereits durch umfangreiche Studien herausgefunden, dass die vielen Meetings, Konferenzen und Vorträge keineswegs einer strikt ergebnisorientierten vorwärtsgerichteten Arbeitsweise qualitativ zugute kommen.

  2. Wirklich notwendige Vorträge und Präsentationen sollten kurz und auf einen oder wenige Punkte ausgerichtet sein. Die Informationsflut, die uns immer wieder vom Wesentlichen ablenkt, beansprucht soviel unserer Wahrnehmungs- und Aufnahmekapazität. Dadurch geht einfach vieles verloren.

  3. Der freie Vortrag und eine im wahrsten Sinne des Wortes lebendige Präsentation, bei der die sprechende Person im Mittelpunkt steht, gibt dem Gesagten eine Qualität, die durch Technik in aller Regel nicht steigerungsfähig ist. Reden wir nicht oft von Vorträgen, die uns ganz einfach deshalb faszinierten, weil der Vortragende sich und den Inhalt seiner Rede zu einem unvergesslichen Ganzen gemacht hat? Präsentationen und Vorträgen, ohne oder mit Charts sind vergleichbar mit einem Live-Konzert und einer CD-Aufnahme. Keine CD kann das Originäre eines Live-Konzerts ersetzen.

  4. Die Mehrzahl der Schulungs- und Trainingsprogramme für Vortragende widmen einen Großteil ihrer Zeit dem Umgang mit den modernen technischen Ausrüstungen. Es empfiehlt sich, darüber nachzudenken, ob die Programme nicht der Kunst der freien Rede mehr Bedeutung schenken und alles andere dem unterordnen sollten. 

  5. Charts sollte man nur dann und immer höchst sparsam einsetzen, wenn sie eine Präsentation oder Rede tatsächlich bereichern.

Präsentationen und Reden leben vom Inhalt. Nicht vom technischen Rahmen. Daran wird sich sicherlich so schnell auch nichts ändern.

 
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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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