„Private Equity“ ist meist nur noch die zweitbeste Art der Unternehmensfinanzierung
BriefLetter - Issue 18/2006
Anfänglich war „Private Equity“ ein Synonym für Risikokapital. Mit anderen Worten, private Investoren riskierten Geld für Investitionen, denen Banken zurückhaltend, ablehnend oder nur besonderen Fällen und dann mit entsprechend hohen Zinsen gegenüberstanden. Start-ups und mittelständische Unternehmen profitierten davon. Das Bild hat sich jedoch in der Zwischenzeit von Grund auf geändert.

Private Equity Häuser tauchen heutzutage in erster Linie dort als Interessenten für Investitionen auf, wo sie stille Reserven, kurzfristig realisierbare andere Werte, vor allem Intellectual Property, Einsparungen und Rationalisierungsmöglichkeiten ausgemacht haben oder vermuten und sich dabei hohe Renditen oder beim Verkauf nach kurzer Zeit zusätzliche Gewinne versprechen. Gewiss, hier und da mögen manche Investitionen trotz dieser Geschäftsstrategie für einen Partner interessant sein, aber, eben nur hier und da.

Entgegen der landläufigen Meinung, Geschäfte seien eben nur noch kurzfristige Angelegenheiten und in unserer schnelllebigen Zeit sollte man nicht mehr allzu langfristig denken, stellen wir bei genauerem Hinschauen fest, dass auch im 21. Jahrhundert Unternehmen Zeit brauchen um sich zu entwickeln, damit sie stark und erfolgreich werden. Unternehmen brauchen Perspektiven, gewachsene Strukturen, sie brauchen Reserven und Ressourcen, die es erlauben, im Auf und Ab der Märkte und im harten Wettbewerb bestehen zu können. Unternehmen müssen in der Lage sein, Wissen und Erfahrung zu generieren. Vieles davon kann man nicht ohne weiteres nach Belieben einkaufen. Unternehmen brauchen vor allem Eigentumsverhältnisse, die es erlauben über bestimmte Zeiträume auch einmal auf Gewinne zu verzichten, weil beispielsweise Investitionen in neue Märkte zukunftsträchtig erscheinen.

Private Equity Häuser sind im Grunde kurzfristig denkende Geldhändler, die nur dann Kapital generieren können, wenn sie ihre Geldquellen vom Zeitpunkt der Investition an mit hohen Renditen bedienen können. Das ist verständlich und aus der Sicht der Geldgeber auch gerechtfertigt, aber es ist natürlich nicht immer im Sinne der Unternehmen, denen das Kapital zufließen soll.

Wir raten bei der Wahl potentiell geeigneter Investoren im Umgang mit Private Equity Häuser zurückhaltend zu sein. Gespräche machen nur Sinn, wenn die Ziele der Investoren allen Facetten eines Unternehmens gerecht werden, wenn sie Zeitachsen besitzen und die Sicherheit für die Erhaltung innerer Werte, insbesondere für das qualifizierte Human Ressource Potenzial, enthalten und wenn die Bereitschaft auch unternehmerische Risiken einzugehen besteht.

Die „erste Wahl“ ist für uns immer ein Investor mit branchenspezifischer Erfahrung im Markt, ein Investor, der selbst in dem jeweiligen Markt tätig ist und durch dessen Engagement mit Blick auf den Markt aus „1+1 mehr als 2 „ wird. Mit anderen Worten, wir bevorzugen in der Entwicklung von M & A Strategien potentielle Partner, die die Marktposition eines Unternehmens stärken.

 
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Editor: Dipl. Soz. Maximiliana Schürrle
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